In Frankreich haben Kundinnen und Kunden das Recht, die meisten Fernkäufe, die außerhalb von Geschäftsräumen getätigt werden, zu stornieren. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, es sich noch einmal zu überlegen und eine Rückerstattung zu beantragen. Unternehmen müssen dieses Recht respektieren und die Bedingungen und Ausnahmen verstehen, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. In diesem Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen über das Widerrufsrecht in Frankreich.
Worum geht es in diesem Artikel?
- Was ist das Widerrufsrecht?
- Wie funktioniert das Widerrufsrecht?
- Welche Pflichten sind mit der Ausübung des Widerrufsrechts verbunden?
- Ausnahmen von der Widerrufsfrist
- Risiken der Nichteinhaltung der Widerrufsfrist
Was ist das Widerrufsrecht?
Wenn ein Produkt oder eine Dienstleistung aus der Ferne – online oder per Telefon – gekauft wird, haben Kundinnen und Kunden in der Regel einen angemessenen Zeitraum, die Bestellung zu stornieren. Unternehmen müssen dieses Widerrufsrecht respektieren.
Die Kundschaft muss vor Auftragserteilung darauf hingewiesen werden. Diese Informationen sind häufig in den allgemeinen Verkaufsbedingungen, der Bestellung oder anderen von Kundinnen und Kunden unterzeichneten Verträgen enthalten. Dieses Recht gilt nicht für Einkäufe in Geschäften oder auf Veranstaltungen wie Messen.
Welche Rechte haben Kundinnen und Kunden?
Im Rahmen des Widerrufsrechts haben Kundinnen und Kunden bei den meisten Fernkäufen 14 Tage Zeit, ihre Bestellungen zu stornieren. Dies ist die gesetzliche Mindestfrist, die vom Verkaufsunternehmen verlängert werden kann. Dieses Recht gilt für alle Arten des Fernverkaufs, einschließlich Sonderaktionen, Ausverkäufe und Gebrauchtwaren, außer in bestimmten Fällen.
Die Widerrufsfrist beginnt an dem Tag, an dem die Käufer/innen die Ware erhalten. Bei Dienstleistungen beginnt die Frist mit dem Tag der Vertragsunterzeichnung durch die Parteien.
Verkäufer/innen können keine zusätzlichen Gebühren verlangen, wenn Kundinnen und Kunden diese Frist einhalten. Verkäufer/innen können nicht verlangen, dass Kundinnen und Kunden einen Grund für die Ausübung ihres Widerrufsrechts angeben.
Wenn Verkäufer/innen die Bedenkzeit nicht angeben, verlängert sie sich automatisch um 12 Monate. Wenn beispielsweise eine Person ein Mobiltelefon kauft und nicht über das Widerrufsrecht innerhalb der ersten 14 Tage informiert wird, hat sie effektiv weitere 12 Monate Zeit, um zurückzutreten.
Für welche Verträge gilt das?
Für die meisten Fernabsatzverträge gilt die Mindestwiderrufsfrist von 14 Tagen. Diese Frist kann jedoch je nach Vertragsart unterschiedlich sein, unabhängig von dem/der Verkäufer/in.
- Immobilientransaktionen: Die Widerrufsfrist beträgt 10 Tage ab dem Datum des Eingangs des Kreditangebots.
- Einige Versicherungsarten (z. B. Telefonversicherung): Die Widerrufsfrist beträgt 30 Kalendertage.
- Andere Versicherungen (z. B. Lebensversicherung): Die Widerrufsfrist beträgt 30 Kalendertage ab dem Tag, an dem die Versicherungsnehmer/innen über den Vertragsschluss informiert werden.
Das französische Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und industrielle und digitale Souveränität aktualisiert diese Fristen regelmäßig.
Wie funktioniert das Widerrufsrecht?
Um diese Regeln einzuhalten, müssen Kundinnen und Kunden nur ein Standarddokument oder -formular einreichen, in dem sie ihre Stornierungsabsicht erklären. Senden Kundinnen oder Kunden die Ware zurück, ohne das Unternehmen ausdrücklich über die Widerrufsabsicht in Kenntnis zu setzen, so ist die Mitteilungspflicht für die Ausübung des Widerrufsrechts nicht erfüllt.
Verkäufer/innen können von ihrer Kundschaft keine Begründung verlangen oder besondere Bedingungen auferlegen, wie z. B. die Zusendung eines Einschreibens. Sie können es jedoch erlauben, alle erforderlichen Dokumente über ihre Website einzureichen.
Das Unternehmen sollte das Widerrufsrecht der Kundschaft gegenüber transparent kommunizieren und einhalten. Kundinnen und Kunden müssen auch alle Dokumente, Verträge, E-Mails und weiteren Aufzeichnungen aufbewahren, um die Einhaltung des Widerrufsrechts im Streitfall nachzuweisen.
Mithilfe von Stripe Checkout können Unternehmen den Zahlungsprozess für ihre Kundschaft optimieren und gleichzeitig das Widerrufsrecht respektieren. Tools in 30 Sprachen garantieren ein optimiertes Erlebnis unabhängig davon, mit welchem Gerät Personen bezahlen.
Welche Pflichten sind mit der Ausübung des Widerrufsrechts verbunden?
Das Widerrufsrecht steht der Kundschaft zu, solange einige spezifische Voraussetzungen erfüllt sind.
Verantwortlichkeiten der Kundschaft
Wenn Kundinnen oder Kunden sich für einen Widerruf entscheiden, können sie immer noch aufgefordert werden, bestimmte Kosten im Zusammenhang mit ihrem Fernkauf im Rahmen des Widerrufsrechts zu tragen. Dazu könnten die Folgenden gehören:
Rücksendekosten, wenn Verkäufer/innen nicht angegeben haben, dass sie diese Kosten übernehmen
Zusätzliche Versandkosten, wenn sie sich für Express- oder Prioritätsversand entscheiden
Fixe und anteilige Kosten für eine Dienstleistung, die vor Ablauf der Widerrufsfrist begonnen hat, sofern sie auf ausdrücklichen Kundenwunsch begonnen hat
Wie erhalten die Kundinnen und Kunden eine Rückerstattung?
Verkäufer/innen müssen den Kaufbetrag mit derselben Zahlungsmethode zurückerstatten, die für den Kauf verwendet wurde (z. B. Apple Pay, Banküberweisung). Eine alternative Zahlungsmethode kann jederzeit ohne zusätzliche Kosten für die Kundinnen und Kunden ausgehandelt werden, die endgültige Entscheidung liegt jedoch bei dem/der Verkäufer/in.
Eine Rückerstattung in Form einer Gutschrift oder eines Gutscheins ist nur zulässig, wenn der ursprüngliche Kauf auf diese Weise erfolgt ist oder wenn die Kundinnen und Kunden dem ausdrücklich zugestimmt haben.
Verkäufer/innen können einen Betrag abziehen, um eine Beschädigung oder Verschlechterung des Artikels zu kompensieren.
Was ist die Frist für eine Rückerstattung?
Sobald Verkäufer/innen über die Stornierung informiert wurden, haben sie 14 Tage Zeit, eine Rückerstattung zu veranlassen, es sei denn, es liegt eine berechtigte Verzögerung vor.
Bei Retouren kann sich die Rückerstattung verzögern, bis die Verkäufer/innen die Artikel erhalten oder die Kundinnen und Kunden einen Versandnachweis vorlegen.

Ausnahmen von der Widerrufsfrist
Nach Ansicht der französischen Regierung gilt das Widerrufsrecht nicht für alle aus der Ferne getätigten Käufe. Bei den folgenden Käufen können Käufer/innen das Widerrufsrecht nicht ausüben und der Kauf kann nicht storniert werden:
Waren, deren Preise stark von Schwankungen in den Finanzmärkten beeinflusst werden (z. B. Aktien, Anleihen oder Rohstoffe)
Sonderanfertigungen, die nicht weiterverkauft werden können (z. B. personalisierte Artikel mit Gravur oder kundenspezifische Software)
Verderbliche Waren, die nicht über einen längeren Zeitraum gelagert werden können (z. B. frisches Obst und Gemüse oder Blumensträuße)
Waren mit offener Verpackung, die aus gesundheitlichen Gründen nicht weiterverkauft werden können (z. B. Kosmetika oder Lebensmittel)
Käufe auf öffentlichen Auktionen, es sei denn, der Verkauf wird über eine Online-Plattform durchgeführt
Bestimmte digitale Waren unterliegen nicht dem Widerrufsrecht:
Digitale Medien mit gebrochenen Siegeln (z. B. CDs, DVDs oder Software)
Produkte, die nur in Kombination mit einem anderen Artikel funktionieren (z. B. Fernbedienungen oder Zubehör)
Heruntergeladene digitale Produkte oder aktivierte Abonnements (z. B. Filme, Musik oder Software)
Bestimmte Dienstleistungen sind ausgeschlossen:
Lieferungen von alkoholischen Premium-Getränken, die im Voraus bestellt werden, wobei die Preise je nach Marktschwankungen variieren können
Leistungen, die vor Ablauf der gesetzlichen Widerrufsfrist begonnen und von der Kundschaft explizit gewünscht wurden (z. B. Stundenmieten oder Parkplätze)
Abonnements von periodischen Publikationen (z. B. Zeitungen, Zeitschriften)
Dienstleistungen, die vollständig abgeschlossen wurden, bevor die Kundinnen oder Kunden ihr Widerrufsrecht ausüben (z. B. Notfallreparaturen oder Wartungsdienste)
Einmalige Kommunikationsdienste (z. B. Telefonzellen)
Bestimmte professionelle Dienstleistungen sind ebenfalls ausgeschlossen:
Tourismus- und Freizeitdienstleistungen, die zu einem bestimmten Datum oder in einem bestimmten Zeitraum angeboten werden (z. B. Camping- oder Hotelaufenthalte)
Finanzdienstleistungen im Zusammenhang mit Geld- und Risikomanagement (z. B. Bankdienstleistungen oder Versicherungsberatung)
Transportdienstleistungen für Einzelpersonen oder Gruppen (z. B. Zug- oder Flugtickets)
Verträge über Dienstleistungen, die zu einem bestimmten Datum oder innerhalb eines bestimmten Zeitraums erbracht werden sollen (z. B. Konzerte oder Shows)
Die Erbringung öffentlicher Dienstleistungen (z. B. Verträge über Wasser oder Gas)
Diese Liste ist nicht vollständig und kann auf der Grundlage der vom Verkaufsunternehmen festgelegten Bedingungen aktualisiert werden.
Risiken der Nichteinhaltung der Widerrufsfrist
Laut Gesetz werden die geschuldeten Beträge automatisch verzinst, wenn die 14-tägige Rückerstattungsfrist nicht eingehalten wird.

Nach dem Gesetz über digitale Dienste in Europa müssen Online-Plattformen die Identität aller Verkäufer/innen und professionellen Dienstleister/innen überprüfen, bevor sie deren Werbung schalten.
Wenn Nutzer/innen Verkäufer/innen nicht direkt über die Plattform kontaktieren können, müssen die Verkäufer/innen alle erforderlichen Kontaktinformationen angeben. Die Nichteinhaltung dieser Verpflichtung kann die Verhängung verwaltungs- oder strafrechtlicher Sanktionen gegen die Plattform nach sich ziehen.
Im Falle einer Streitigkeit können Kundinnen und Kunden die Angelegenheit an einen Vermittler übergeben, wie z. B. den Verband für E-Commerce und Fernabsatz (FEVAD). Auf der Website des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums finden Sie ausführliche Informationen zum Verbraucherschutzgesetzbuch und zum Widerrufsrecht.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.