Ungarn, im Herzen Mitteleuropas gelegen, ist Mitglied der EU und verfügt über einen Zahlungssektor, der sowohl Bargeld- als auch elektronische Zahlungsmethoden nutzt. Das regulatorische Umfeld des Landes wurde angepasst, um diese Entwicklungen zu berücksichtigen und entspricht den EU-Sicherheitsstandards wie der überarbeiteten Payment Services Directive (PSD2).
Im Zuge des Wachstums der ungarischen Wirtschaft wird der Zahlungssektor zunehmend dynamischer. Im Folgenden erklären wir, was Unternehmen, die nach Ungarn expandieren möchten, beachten sollten, einschließlich dieser Schlüsselpunkte:
- Lokale Präferenzen berücksichtigen
- Sicherheitsvorschriften einhalten
- Eine reibungslose Kundenerfahrung schaffen
Die aktuelle Marktlage
Obwohl Ungarn Teil der EU ist, gehört das Land nicht zur Eurozone; seine Währung ist der ungarische Forint (HUF). Die Teilnahme Ungarns am Single Euro Payments Area (SEPA) erleichtert jedoch grenzüberschreitende Zahlungen innerhalb des Blocks. Die SEPA-Vorschriften vereinfachen Zahlungsprozesse und verbessern die Interoperabilität.
Die ungarische Zentralbank Magyar Nemzeti Bank (MNB) bestimmt die Geldpolitik des Landes und die Hungarian Financial Supervisory Authority (HFSA) beaufsichtigt und reguliert die Finanzmärkte.
Drei große Banken spielen eine zentrale Rolle im ungarischen Finanzsektor: OTP Bank, K&H Bank und MBH Bank. Die MBH Bank ist im Besitz des ungarischen Staates und wurde 2023 durch eine Fusion umstrukturiert. Sie konzentriert sich auf die Förderung digitaler Innovationen und Fintech-Lösungen. Die ungarische Regierung unterstützt zudem die Digitalisierung von Zahlungen: So wurde beispielsweise im Januar 2021 von Online-Händlerinnen/Händlern verlangt, elektronische Zahlungen zu akzeptieren.
Zahlungsmethoden
Die ungarische Wirtschaft entwickelt sich weiter und technologisch fortschrittliche Zahlungsmöglichkeiten gewinnen an Bedeutung. Dennoch bleibt Bargeld nach wie vor eine gängige Zahlungsmethode.
Verwendung
Es gibt eine deutliche demografische Spaltung bei der Bargeldnutzung. Eine MNB-Umfrage von 2020 zeigte beispielsweise, dass Rentnerinnen/Rentner 72 % ihrer täglichen Transaktionen in bar durchführten. Gleichzeitig gibt es Beschränkungen für Bargeldzahlungen: Unternehmen und Personen, die der Mehrwertsteuer (VAT) unterliegen, dürfen nur bis zu 1,5 Millionen HUF pro Vertrag und Monat in bar abwickeln.
Es zeichnet sich zudem ein breiterer Trend weg physischen Währungen ab.
Nach MNB-Daten nutzten im Jahr 2020 etwa 80 % der Bevölkerung mindestens eine elektronische Zahlungsmethode. Zahlungskarten, die früher hauptsächlich für Bargeldabhebungen verwendet wurden, kommen heute überwiegend für elektronische Zahlungen zum Einsatz. Ein MNB-Bericht zeigte, dass 2021 Ungarinnen/Ungarn Karten für rund 1,29 Milliarden Käufe und 91 Millionen Bargeldabhebungen nutzten.
Nach Angaben der MNB verfügen mehr als 97 % der Kreditkarten in Ungarn über kontaktlose Funktionen und Kundinnen/Kunden nutzen diese Zahlungsmethoden oft für kleinere Einkäufe. So gab es im Jahr 2021 fast 675 Millionen kontaktlose Transaktionen unter 5.000 HUF und etwa 375 Millionen Transaktionen für höhere Beträge durchgeführt.
Die MNB hat im März 2020 das System für sofortige Zahlungen „Azonnali Fizetés“ (übersetzt „sofortige Zahlung“) eingeführt. Mit dem System können Nutzer/innen sofortige Zahlungen an eine andere Telefonnummer oder E-Mail-Adresse vornehmen, ohne die Kontonummer der Empfängerin/des Empfängers kennen zu müssen. Die Teilnahme aller Banken an diesem System ist verpflichtend und sie sind verpflichtet, fehlerhafte Zahlungen rückgängig zu machen.
Beliebte B2C-Zahlungsmethoden in Ungarn
- Kredit- und Debitkarten
- Bargeld
- Lokale Digital Wallets (z. B. OTPay, Erste MobilePay, Viber Pay)
- Internationale Digital Wallets (z. B. Apple Pay, Google Pay)
- Azonnali Fizetés
Beliebte B2B-Zahlungsmethoden in Ungarn
- Banküberweisung über Azonnali Fizetés
- Kredit- und Debitkarten
- Bargeld (für kleinere Transaktionen)
Trends:
Die Nutzung von Mobile Wallets nimmt ebenfalls zu. MNB-Daten zeigten von 2020 bis 2021 einen Anstieg von 58 % bei der Anzahl der in Digital Wallets registrierten Karten – einschließlich regionaler Optionen wie Erste MobilePay und Viber Pay. Ende 2021 entfielen über 12 % aller Zahlungskartentransaktionen auf Digital Wallets, was die zunehmende Akzeptanz dieser modernen Zahlungsmethoden verdeutlicht.
Vorteile und Hürden beim Markteinstieg
Die ungarische Wirtschaft wird zunehmend unternehmensfreundlicher. Unternehmen, die im Land tätig sind, sollten jedoch einige wichtige Faktoren beachten.
Steuern
Unternehmen und Kundinnen/Kunden müssen die Mehrwertsteuer (USt.) berücksichtigen. Kundinnen/Kunden zahlen die USt. als Teil des Kaufpreises von Waren und Dienstleistungen und Unternehmen erheben die Steuer und führen sie an den Staat ab. Die Nichteinhaltung der USt.-Vorschriften kann zu Geldstrafen, Prüfungen und rechtlichen Konsequenzen führen. Mit 27 % gehört der Standard-USt.-Satz in Ungarn zu den höchsten in der EU, sinkt jedoch auf 18 % für bestimmte Produkte wie Geflügel, Milch und Erzeugnisse aus Getreide.
Rückbuchungen und Zahlungsanfechtungen
Der ungarische Rechtsrahmen für Rückbuchungen und Zahlungsanfechtungen richtet sich stark an die Kundinnen und Kunden und basiert auf nationalem Recht, wie dem Verbraucherschutzgesetz und EU-Vorschriften wie PSD2 und SEPA. SEPA-Regelungen sind für Lastschriftverfahren in Ungarn besonders relevant, da SEPA den Kundinnen und Kunden das Recht gibt, innerhalb von acht Wochen eine Rückerstattung für alle Transaktionen im Lastschriftverfahren anzufordern. (Bei nicht autorisierten Transaktionen verlängert sich dieser Zeitraum auf 13 Monate.)
Internationale Zahlungen
Internationale Zahlungen sind in der ungarischen Wirtschaft üblich, insbesondere aufgrund der EU-Mitgliedschaft des Landes. So funktionieren sie:
Währungsumrechnung: Ungarn tätigt häufig Geschäfte mit anderen Ländern der Eurozone, behält jedoch seine eigene Währung bei. Daher spielt die Währungsumrechnung eine zentrale Rolle im Finanzsystem des Landes. Für Privatpersonen unterstützen Drittanbieter wie Revolut, Currencies Direct und Wise (ehemals TransferWise) bei der Durchführung dieser Transaktionen.
SEPA-Überweisungen: Als Mitglied der EU ist Ungarn Teil des SEPA-Raums. Dies vereinfacht Banküberweisungen in Euro und macht grenzüberschreitende Transaktionen innerhalb der Eurozone weniger aufwendig.
Internationaler Handel: Aufgrund der strategischen Lage Ungarns in Mitteleuropa und seiner Kompetenzen in der Automobilzulieferindustrie führen Unternehmen im Land häufig grenzüberschreitende Transaktionen durch. Ungarn handelt mit EU-Ländern wie Deutschland, der Slowakei, Frankreich, Polen und Österreich sowie mit den USA und China.
Sicherheit und Datenschutz
Die EU-Mitgliedschaft Ungarns verpflichtet das Land zur Einhaltung der strengen Sicherheits- und Datenschutzvorschriften der Union. Auch wenn dies für Unternehmen anspruchsvoll sein kann, profitieren davon die Kundinnen und Kunden erheblich.
Datenschutzgesetze: Ungarn hält die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein, die strenge Standards für den Schutz von Kundendaten vorgibt. Sie verlangt eine explizite Zustimmung zur Datenerhebung und gewährt Kundinnen/Kunden das Recht, ihre erhobenen Daten zu verwalten oder löschen zu lassen. Dieses Regelwerk stellt sicher, dass persönliche Informationen sorgfältig und transparent behandelt werden.
Starke Kundenauthentifizierung (SCA) und PSD2-Compliance: PSD2 schreibt die Verwendung von SCA vor, einer Sicherheitsmaßnahme, die für die meisten elektronischen Zahlungen eine Multifaktor-Authentifizierung erfordert. Dieser Prozess erhöht die Sicherheit, indem die Identitäten von Zahler/in und Empfänger/in überprüft werden.
Rolle der MNB: Die MNB überwacht und reguliert zahlungsbezogene Aktivitäten in Ungarn. Sie arbeitet mit anderen Aufsichtsbehörden zusammen, um die Einhaltung finanzieller Vorschriften sicherzustellen, einschließlich solcher zur Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und Terrorismusfinanzierung (CTF).
AML-Vorschriften: Ungarn orientiert sich eng an den EU-Richtlinien zu AML und CTF. Finanzinstitute, die in Ungarn tätig sind, müssen robuste Systeme und Verfahren implementieren, um potenziell verdächtige Finanzaktivitäten zu überwachen und zu melden. Die Nichteinhaltung der AML-Vorschriften kann zu schweren Strafen und rechtlichen Konsequenzen führen.
HFSA: Die HFSA spielt eine zentrale Rolle bei der Sicherung der Stabilität und Sicherheit des ungarischen Finanzsektors. Die Behörde überwacht Finanzinstitute wie Banken, Versicherer und Zahlungsdienstleister, um die Einhaltung finanzieller Vorschriften und von Maßnahmen zum Kundenschutz sicherzustellen.
Hungarian Financial Intelligence Unit (HFIU): Die HFIU überwacht und untersucht verdächtige Finanzaktivitäten im Zusammenhang mit Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, wie es internationale Standards vorschreiben. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Erkennung und Verhinderung von Finanzkriminalität im Land.
Wichtige Erfolgsfaktoren
Ungarn hat eine komplexe Wirtschaft, die für Unternehmen, die im Land tätig werden möchten, Herausforderungen mit sich bringt. Sie sollten Folgendes berücksichtigen:
Begrenzte Akzeptanz neuer Zahlungstechnologien: Die Einführung neuer Zahlungstechnologien, insbesondere mobiler Zahlungen, erfolgt in Ungarn vergleichsweise langsam. Ende 2021 waren über 12 % der Karten in Digital Wallets registriert und die Anzahl der Transaktionen pro mobiler Karte stieg im letzten Quartal auf 34, was jedoch immer noch einen kleinen Anteil der ungarischen Karten darstellt. Diese langsamere Einführung bedeutet, dass Unternehmen in Ungarn eine Vielzahl von Zahlungsmethoden anbieten müssen, was die Systemkomplexität erhöht und die Gestaltung der Benutzererfahrung beeinflusst.
Regulatorische Hürden beim Datenmanagement: Die Umsetzung der DSGVO durch die EU hat für Unternehmen in Ungarn erhebliche Compliance-Anforderungen geschaffen. Verstöße können zu hohen Strafen führen, bei schwerwiegenden Verstößen bis zu 20 Millionen Euro oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens. Die Einhaltung der DSGVO erfordert erhebliche Investitionen in Datenmanagement, insbesondere im Bereich der Zahlungssysteme, in denen Datensicherheit und häufiger Datenaustausch zentral sind. Die Komplexität der Datenschutzvorschriften mit einer gleichzeitig einfachen Zahlungsabwicklung zu verbinden, kann herausfordernd sein.
Komplexität bei internationalen Transaktionen: Internationale Transaktionen in Ungarn, insbesondere solche außerhalb des SEPA-Raums, können komplex sein. Unternehmen, die solche Transaktionen durchführen, müssen Herausforderungen wie Wechselkursschwankungen und unterschiedliche regulatorische Rahmenbedingungen berücksichtigen. Um diese Komplexität zu bewältigen, sollten Unternehmen Strategien anwenden, die grenzüberschreitende Zahlungen vereinfachen und die damit verbundenen Risiken effektiv mindern.
Wichtige Erkenntnisse
Unternehmen, die in den ungarischen Markt eintreten möchten, sollten die lokalen Präferenzen verstehen, die Compliance von Sicherheitsmaßnahmen priorisieren und den Schwerpunkt auf die Kundenerfahrung legen. Im Folgenden finden Sie eine Übersicht, die Ihnen bei der Erstellung und Umsetzung Ihrer Geschäftsstrategie hilft:
Berücksichtigen lokaler Präferenzen
Lokale Zahlungsmethoden akzeptieren: Ungarische Kundinnen/Kunden haben spezifische Zahlungspräferenzen, darunter Banküberweisungen über Azonnali Fizetés und Bargeldzahlungen. Um die Kundenerfahrung zu verbessern, sollten diese Optionen zusätzlich zu internationalen Kartenzahlungen angeboten werden.
Multiewährungsoptionen implementieren: Ungarische Unternehmen interagieren häufig mit ausländischen Personen und Unternehmen, sodass die ausschließliche Annahme von HUF nicht ausreicht. Berücksichtigen Sie dies in Ihrem Geschäftsplan.
Schnittstellen für Ungarisch lokalisieren: In Ungarn wird überwiegend Ungarisch gesprochen, daher ist es wichtig, Zahlungsschnittstellen in der lokalen Sprache anzubieten. Lokalisierung geht über eine reine Übersetzung hinaus; der Text, den Kundinnen/Kunden sehen, sollte ursprünglich in der Landessprache verfasst sein, um ein optimales Verständnis zu gewährleisten.
Sicherheitsvorschriften einhalten
Priorität der Datensicherheit: Die Datensicherheit ist für ungarische Kundinnen und Kunden von größter Bedeutung. Ihr Unternehmen sollte in Top-Sicherheitsmaßnahmen investieren, einschließlich Zwei-Faktor-Authentifizierung und starker Verschlüsselung, um den Kundinnen und Kunden Vertrauen in die Sicherheit ihrer Zahlungen zu vermitteln.
DSGVO-Compliance sicherstellen: Ungarn als EU-Mitglied hält sich an die DSGVO. Ihr Unternehmen muss diese Vorschriften erfüllen und seine Datenverarbeitungspraktiken entsprechend anpassen, um das Vertrauen der Kundinnen/Kunden zu gewinnen und die eigene Legitimität zu sichern.
SEPA für Lastschriften verwenden: SEPA spielt in Ungarn eine wichtige Rolle, insbesondere bei wiederkehrenden Zahlungen wie Abos und Rechnungen für Versorgungsleistungen. Sie können wiederkehrende Zahlungen vereinfachen, indem Sie SEPA-konforme Payment Gateways einsetzen. Dies erleichtert Transaktionen und entspricht den lokalen Präferenzen für Lastschriften.
Eine reibungslose Kundenerfahrung schaffen
Für mobile Zahlungen optimieren: Da die Zahl ungarischer Kundinnen/Kunden steigt, die mobile Zahlungen nutzen, sollten Sie Ihre Zahlungssysteme entsprechend anpassen. Das Anbieten dieser Methoden neben traditionelleren Optionen zeigt den Kundinnen/Kunden, dass Ihr Unternehmen flexibel und zukunftsorientiert ist.
Bezahlvorgänge vereinfachen: Lange oder komplizierte Bezahlvorgänge können Kundinnen/Kunden davon abhalten, ihre Transaktionen abzuschließen, insbesondere im E-Commerce. Unternehmen sollten ihre Bezahlvorgänge vereinfachen und die Anzahl der Schritte reduzieren, die Kundinnen/Kunden benötigen, um einen Kauf abzuschließen. Dies kann die Abbruchrate im Warenkorb senken.
Echtzeit-Support anbieten: Ein leicht zugänglicher Kundensupport kann Zahlungsprobleme schnell lösen. Die Bereitstellung von Live-Chat oder direktem Support – insbesondere auf Ungarisch – kann Probleme reduzieren und zu einer reibungsloseren und zufriedenstellenderen Zahlungserfahrung führen.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.