Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind Kartenzahlungen heute die wichtigste Form des elektronischen Zahlungsverkehrs in Deutschland. Ende 2024 lag die Zahl der ausgegebenen Kreditkarten bei rund 34,2 Millionen. Leider macht die Beliebtheit von Kreditkarten sie auch zu einem attraktiven Ziel für Betrüger/innen. Unternehmen müssen über einen wirksamen Schutz gegen Kreditkartenbetrug verfügen.
In diesem Artikel erklären wir Kreditkartenbetrug, einschließlich seiner Funktionsweise, seiner Auswirkungen auf Unternehmen und Kundschaft sowie der Schutzmaßnahmen. Darüber hinaus beleuchten wir die neuesten Betrugstrends, erläutern die Auswirkungen des Kreditkartenbetrugs auf Deutschland und erörtern die Rolle von Authentifizierungs- und Sicherheitsmaßnahmen bei der Betrugsprävention.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ein Kreditkartenbetrug liegt vor, wenn Betrüger/innen Karten oder Zahlungsdaten ohne Erlaubnis verwenden, um sich finanzielle Vorteile zu verschaffen oder Schaden anzurichten.
- Unternehmen sind besonders gefährdet durch Kreditkartenbetrug, da Firmenkarten oft von mehreren Personen genutzt werden und tendenziell höhere Limits haben.
- Betrüger/innen verlagern ihre Aktivitäten zunehmend in den digitalen Sektor, wovon Online-Zahlungen und der E-Commerce besonders betroffen sind.
- Zu den Folgen zählen finanzielle Verluste, ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand und Reputationsschäden.
- Sicherheitsinitiativen wie Überwachung, Authentifizierung und KI-gestützte Betrugserkennung sind von entscheidender Bedeutung, um Risiken frühzeitig zu erkennen und zu mindern.
Was ist Kreditkartenbetrug?
Kreditkartenbetrug bezieht sich auf die unbefugte Nutzung einer Kreditkarte oder von Kartenangaben zur finanziellen Bereicherung oder um Karteninhaberinnen und Karteninhabern oder Unternehmen Schaden zuzufügen. Betrügerische Akteurinnen und Akteure verwenden entweder physische Karten oder gestohlene digitale Zahlungsdaten. Kreditkartenbetrug kann sowohl Unternehmen als auch Kundinnen und Kunden betreffen.
Da Zahlungen zunehmend digital abgewickelt werden, ändern und passen sich auch die Betrugsmethoden an. Digitale Angriffe auf Zahlungsdaten geben neben traditionelleren Formen von Betrug, wie dem Diebstahl physischer Karten, großen Anlass zur Sorge.
Warum sind Unternehmen besonders durch Kreditkartenbetrug gefährdet?
Unternehmen sind attraktive Ziele für betrügerische Akteurinnen und Akteure. Firmenkreditkarten haben oft höhere Limits und werden von mehreren Personen genutzt. Infolgedessen wird Missbrauch im Vergleich zu privaten Karten gelegentlich später bemerkt.
Zu den weiteren Risikofaktoren für Unternehmen gehören die folgenden:
- Geschäftsreisen mit häufigen Kartenzahlungen
- Nutzung öffentlicher oder ungesicherter Netzwerke
- Dezentrale Teams und mobile Arbeitsweisen
- Unzureichende Mitarbeiterschulung
- Komplexe Buchhaltungs- und Genehmigungsprozesse
Das Risiko von Datenmissbrauch ist auf Geschäftsreisen besonders hoch. Mitarbeitende nutzen ihre Karten häufig für Hotels, Transport, Restaurants und Online-Buchungen – und sie verwenden oft öffentliche WLAN-Netzwerke. Dies erleichtert es betrügerischen Akteurinnen und Akteuren, sensible Zahlungsinformationen abzugreifen.
Wie betrügerische Akteurinnen und Akteure an Kartenangaben gelangen
Betrügerische Akteurinnen und Akteure nutzen verschiedene Methoden, um an Kartenangaben zu gelangen. Im Folgenden finden Sie die häufigsten Formen von Betrug:
- Physischer Kartendiebstahl
Betrügerische Akteurinnen und Akteure stehlen Kreditkarten, indem sie Geldbörsen entreißen, einbrechen oder auf unbeaufsichtigte Gegenstände zugreifen. - Skimming
Skimming bezeichnet das illegale Kopieren von Kartenangaben an manipulierten Geldautomaten (ATMs) oder Zahlungsterminals. Betrügerische Akteurinnen und Akteure könnten auch versuchen, Kundinnen und Kunden bei Abhebungen auszuspionieren, um ihre persönlichen Identifikationsnummern (PINs) herauszufinden. - Phishing
Beim Phishing stehlen betrügerische Akteurinnen und Akteure sensible Daten mithilfe gefälschter E-Mails, Websites oder Textnachrichten. Diese Nachrichten ähneln oft offiziellen Mitteilungen von Banken, Zahlungsdienstleistern (PSPs) oder bekannten Unternehmen. Das Ziel ist es, Kartenangaben, Passwörter oder Sicherheitscodes zu erhalten. - Hacking
Betrügerische Akteurinnen und Akteure nutzen Hacking, um unbefugten Zugriff auf informationstechnologische (IT) Systeme oder Datenbanken zu erlangen. Das Ziel ist oft der Diebstahl großer Mengen von Kartenangaben und Kundendaten. Hacking betrifft in erster Linie Online-Shops, PSPs und Unternehmensnetzwerke. - Interner Missbrauch
Unternehmen können auch von innen heraus Ziel von Kreditkartenbetrug werden. Mitarbeitende mit Zugang zu Kartenangaben oder Firmenkreditkarten können diese Informationen missbrauchen oder an Dritte weitergeben.
Wie nutzen betrügerische Akteurinnen und Akteure gestohlene Kartenangaben?
Gestohlene Kartenangaben können für eine Vielzahl von kriminellen Unternehmungen verwendet werden. Betrügerische Akteurinnen und Akteure können sie für Käufe nutzen oder die Daten auf illegalen Online-Marktplätzen verkaufen.
Zu den häufigen Formen von Kreditkartenbetrug gehören die folgenden:
- Identitätsdiebstahl
- Online- und Offline-Käufe
- Kauf von Gutscheinen oder digitalem Guthaben
- Bargeldabhebungen an Geldautomaten
- Gefälschte Online-Konten
- Erstellung gefälschter Kreditkarten
- Rechnungs- oder Spesenbetrug
Kreditkartenbetrug: Trends in Deutschland
Kreditkartenbetrug verändert und passt sich weltweit ständig an. Obwohl sich viele Formen von Betrug in den digitalen Raum verlagert haben, werden viele Karten nach wie vor physisch gestohlen. In Deutschland erfasste die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 94.555 Fälle von Diebstahl unbarer Zahlungsmittel (d. h. Girokarten und Kreditkarten) mit einer Aufklärungsquote von nur 8 %.
Während der physische Kartendiebstahl zurückgegangen ist und Skimming fast überflüssig geworden ist, nimmt der digitale Betrug zu. In Deutschland gab es 2025 96.383 Fälle von „Betrug oder Computerbetrug mittels rechtswidrig erlangter unbarer Zahlungsmittel“. Dies war ein Anstieg von fast 5 % gegenüber dem Vorjahr. Nur rund ein Fünftel dieser Fälle wurde aufgeklärt.
Der Deutsche Bundesverband der Verbraucher-Organizations (Verbraucherzentrale Bundesverband oder VZBV) verzeichnete im Jahr 2025 einen deutlichen Anstieg der Beschwerden im Zusammenhang mit Cyberkriminalität bei Finanzdienstleistungen. Es gab mehr als 2.400 Meldungen über Identitätsdiebstahl, Phishing und unautorisierte Abbuchungen. Im Jahr 2024 lag die Zahl der Beschwerden bei knapp über 1.500.
Dieser Trend spiegelt sich in ganz Europa wider. So stiegen beispielsweise laut einem Bericht, der von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und der Europäischen Zentralbank gemeinsam verfasst wurde, die Kosten der durch Zahlungsbetrug in der Eurozone verursachten Schäden von 3,5 Mrd. € im Jahr 2023 auf 4,2 Mrd. € im Jahr 2024. Diese Zahlen zeigen, dass Netzwerke für digitalen Betrug zunehmend professioneller geworden sind und eine noch größere Herausforderung für Kundinnen und Kunden sowie Unternehmen darstellen.
Welche Auswirkungen hat Kreditkartenbetrug auf die Opfer?
Kreditkartenbetrug kann schwerwiegende Auswirkungen auf Unternehmen und Privatpersonen haben. Beide Parteien können unter anderem unmittelbare finanzielle Verluste erleiden.
Finanzielle Verluste
Für Unternehmen führt Betrug zu Einnahmeverlusten, Zahlungsanfechtungen und zusätzlichen Gebühren von Zahlungsdienstleistern (PSPs). Hinzu kommen Kosten für interne Untersuchungen, Sicherheitsmaßnahmen und Betrugsmanagement. Privatpersonen sind von unberechtigten Abbuchungen, gesperrten Karten und vorübergehenden finanziellen Engpässen betroffen.
Vertrauensverlust und Rufschädigung
Die Verbindung mit Sicherheitsvorfällen oder Datenschutzverletzungen kann das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in ein Unternehmen dauerhaft schädigen. Eine Rufschädigung hat oft langfristige Auswirkungen auf die Kundenbindung, den Umsatz und die Wettbewerbsfähigkeit.
Organisatorischer Aufwand
Betrug kostet Unternehmen Zeit und Geld. Sie müssen Transaktionen prüfen, Karten sperren, Sicherheitsprozesse anpassen und mit Banken oder Zahlungsdienstleistern kommunizieren. Hinzu kommen Kosten für IT-Sicherheit, Compliance und Mitarbeiterschulungen.
Rechtliche und regulatorische Risiken
Die Anforderungen an Datenschutz, IT-Sicherheit und Betrugsprävention für Unternehmen in Deutschland steigen. Unternehmen, die sensible Zahlungsinformationen nicht ausreichend schützen, riskieren rechtliche Schritte, Bußgelder und mögliche Schadensersatzforderungen.
Was zu tun ist, wenn es zu Kreditkartenbetrug kommt
Wenn ein Unternehmen Opfer von Kreditkartenbetrug wird, ist es wichtig, schnell zu reagieren und den Prozess zu befolgen, um weiteren Schaden abzuwenden. Sperren Sie zunächst sofort die betroffenen Karten oder Konten, um weitere unbefugte Transaktionen zu verhindern. Prüfen Sie als Nächstes systematisch alle verdächtigen Abbuchungen und dokumentieren Sie alle Schäden.
Es ist auch wichtig, den entsprechenden PSP oder die Bank zu informieren, damit sie Rückbuchungen prüfen und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergreifen können. In schwerwiegenderen Fällen kann es auch notwendig sein, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten.
Unternehmen müssen auch interne Prozesse prüfen, um potenzielle Schwachstellen im Zahlungs- oder Autorisierungssystem aufzudecken und zukünftige Vorfälle besser zu erkennen.
So verhindern und erkennen Sie Kreditkartenbetrug
Das ideale Szenario für Unternehmen in Deutschland besteht darin, Kreditkartenbetrug frühzeitig zu erkennen und Tools einzusetzen, um ihn zu verhindern. Unternehmen müssen in Präventions- und Kontrollmaßnahmen investieren, um Risiken zu minimieren und Zahlungsprozesse zu schützen. Dies umfasst die folgenden Aspekte:
- Einführung von Überwachungssystemen, um ungewöhnliche oder verdächtige Transaktionen in Echtzeit zu markieren
- Einsatz der starken Kundenauthentifizierung (SCA) für Online-Zahlungen und interne Freigaben
- Nutzung sicherer Netzwerke und Virtual-Private-Network-Verbindungen (VPN), insbesondere bei Geschäftsreisen und Remote-Arbeit
- Festlegung klarer interner Richtlinien für die Nutzung und Autorisierung von Firmenkreditkarten
- Festlegung von Kreditkartenlimits und Aktivierung von Transaktionswarnungen
- Schulung von Mitarbeitenden im Umgang mit Phishing, Social Engineering und sicheren Zahlungsprozessen
- Regelmäßige Aktualisierung von IT-Sicherheitsstandards und Zugangsbeschränkungen
Wie können Authentifizierungs- und Sicherheitsmaßnahmen Kreditkartenbetrug verhindern?
Authentifizierungs- und Sicherheitsmaßnahmen gehören zu den wichtigsten Instrumenten zur Verhinderung von Kreditkartenbetrug. Diese Maßnahmen erschweren unbefugten Personen den Zugriff auf Zahlungsdaten und helfen Unternehmen, verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen.
Zwei-Faktor-Authentifizierung
Zusätzliche Sicherheitsprüfungen sind insbesondere bei Online-Zahlungen immer wichtiger geworden. Verfahren wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung stellen sicher, dass Unternehmen Zahlungen nicht nur mit Kartenangaben abwickeln können. Kundinnen und Kunden müssen ihre Identität beispielsweise auch über Einmalcodes oder über Banking-Apps bestätigen. Dadurch kann das Risiko betrügerischer Transaktionen erheblich verringert werden.
Schutz von Zahlungsdaten
Sicherheitsstandards tragen auch dazu bei, einen besseren Schutz von Kartenangaben zu gewährleisten. Verschlüsselte Datenübertragungen, Tokenisierung und moderne Sicherheitsprotokolle erschweren es betrügerischen Akteuren, Zahlungsinformationen abzufangen oder zu missbrauchen.
KI-gestützte Betrugserkennung
Moderne Technologien spielen bei der Betrugsprävention eine immer wichtigere Rolle. Mit Stripe Radar können Unternehmen verdächtige Zahlungsaktivitäten automatisch analysieren und potenziellen Betrug erkennen. Radar basiert auf KI und nutzt Daten aus dem globalen Stripe-Netzwerk, um kontinuierlich die neuesten Betrugsmuster zu identifizieren und Sicherheitsmechanismen anzupassen.
Radar überprüft Transaktionen in Echtzeit und berücksichtigt dabei eine Vielzahl von Risikosignalen, wie zum Beispiel verdächtiges Kaufverhalten, ungewöhnliche Geräteinformationen oder frühere Betrugsfälle. Dies ermöglicht eine gezieltere Erkennung riskanter Zahlungen, ohne dass eine große Anzahl legitimer Transaktionen unnötig abgelehnt wird. Unternehmen können Radar direkt in ihre Zahlungsinfrastruktur integrieren.
Kreditkartenbetrug auf dem deutschen Markt
Besonderheiten des deutschen Zahlungsverkehrsmarktes wirken sich darauf aus, wie betrügerische Akteure Kreditkartenbetrug begehen und wie Unternehmen diesen verhindern können. Deutschland ist beispielsweise eine stark bargeldbasierte Wirtschaft. Daher ist die Nutzung herkömmlicher Kreditkarten im Vergleich zu anderen internationalen Märkten immer noch relativ gering.
Dennoch ist Kreditkartenbetrug auch in Deutschland ein Problem. Die Risiken steigen stetig, insbesondere im E-Commerce, aufgrund von Online- und mobilen Zahlungen sowie grenzüberschreitenden Transaktionen. Daher müssen Unternehmen in Deutschland internationale Sicherheitsstandards erfüllen und ihre Maßnahmen zur Betrugsprävention an digitale Geschäftsmodelle anpassen, die sich stetig verändern.
Schutzmaßnahmen
Deutsche Unternehmen unterliegen strengen Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen. Daher müssen Betrugsprävention und -erkennung den geltenden rechtlichen Bestimmungen entsprechen.
Der wichtigste Rahmen hierfür ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die vorschreibt, dass die Verarbeitung von personenbezogenen Daten transparent und zweckgebunden erfolgen und auf das Notwendige beschränkt sein muss. In Bezug auf die Betrugserkennung bedeutet dies, dass Unternehmen nur Daten verwenden dürfen, die für Sicherheits- und Präventionszwecke tatsächlich erforderlich sind.
Die DSGVO verlangt von Unternehmen in Deutschland außerdem, geeignete technische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren, um personenbezogene Daten wirksam zu schützen. Im Falle einer Datenschutzverletzung gelten Meldefristen und Offenlegungspflichten. In bestimmten Fällen muss der Vorfall innerhalb von 72 Stunden der zuständigen Aufsichtsbehörde gemeldet werden.
Deutsche Kundinnen und Kunden sind zudem dafür bekannt, dass sie großen Wert auf Datenschutz und Sicherheit legen. Sie erwarten sichere Zahlungsprozesse und einen verantwortungsvollen Umgang mit sensiblen Daten. Daher müssen Unternehmen über transparente Sicherheitsstandards verfügen, um Betrug so früh wie möglich zu verhindern.
FAQ
Im Folgenden beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema Kreditkartenbetrug in Deutschland.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.