Wenn Sie ein Online-Handelsunternehmen in Italien betreiben, ist es wichtig, die Vorschriften des Landes in Bezug auf das Rücktrittsrecht von Online-Einkäufen zu verstehen. Das Verständnis dieser rechtlichen Absicherung ist der Schlüssel zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit und der Konversionsraten.
Hier beleuchten wir das Widerrufsrecht für Transaktionen im Internet, die Funktionsweise und die Regeln und Vorschriften, die Unternehmen in Italien befolgen müssen.
Worum geht es in diesem Artikel?
- Was ist das Widerrufsrecht bei Online-Käufen?
- Was ist der Unterschied zwischen Widerruf und Rückgabe?
- Wie funktioniert das Widerrufsrecht bei Online-Käufen?
- Was gilt für ausländische Kunden?
- Welche Fälle sind vom Widerrufsrecht ausgenommen?
- Welche Pflichten hat der Verkäufer beim Widerruf von Online-Käufen?
Was ist das Widerrufsrecht bei Online-Käufen?
Das Widerrufsrecht für Online-Käufe ermöglicht es Käufern, ihre Bestellung innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen zu stornieren. Diese Regel ist im Online-Handel von grundlegender Bedeutung, da Produkte im Gegensatz zum stationären Handel vor dem Kauf nicht begutachtet oder ausprobiert werden können.
In Italien ist das Widerrufsrecht bei Transaktionen im Internet im Verbraucherschutzgesetz (Artikel 52 ff.) des Dekrets 206/2005 geregelt, in dem es heißt: „Sofern keine Ausnahmen nach Artikel 59 gelten, kann der Verbraucher innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen und Entstehung von Kosten, mit Ausnahme der in Artikel 56 Absatz 2 und Artikel 57 genannten Kosten, von einem Fernabsatzvertrag oder einem außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Vertrag zurücktreten.“
Was ist der Unterschied zwischen Widerruf und Rückgabe?
Widerruf und Rückgabe mögen manchmal wie ein und dasselbe wirken, sind aber zwei grundlegend verschiedene Konzepte. Das Widerrufsrecht, auch „Bedenkzeit“ oder „Cooling-Off-Zeitraum“ genannt, ist eine gesetzlich vorgeschriebene Käuferschutzmaßnahme.
Rückgaben werden hingegen vom jeweiligen Anbieter selbst festgelegt. Den Anbietern steht es auch frei, über die gesetzlichen Mindestbestimmungen hinaus den Kunden günstigere Widerrufskonditionen anzubieten. Wenn das Gesetz beispielsweise 14 Tage vorschreibt, können Unternehmen diese Frist etwa auf 30 Tage verlängern.
Wie funktioniert das Widerrufsrecht bei Online-Käufen?
Verbraucher/innen müssen ihr Widerrufsrecht innerhalb von 14 Kalendertagen (nicht Werktagen) ab dem Datum ausüben, an dem ihr Produkt geliefert wurde, oder im Falle einer Transaktion, bei der mehrere Artikel getrennt versandt werden, 14 Tage ab dem Empfangsdatum des letzten Artikels. Der Kunde/die Kundin kann dieses Recht ohne Angabe von Gründen ausüben und es entstehen ihm/ihr nur Kosten für die Rücksendung der Ware.
Der/die Verkäufer/in kann wählen, ob er/sie die Rücksendungskosten selbst tragen möchte. Er/sie kann auch dazu verpflichtet sein, wenn er/sie es versäumt hat, den Käufer/die Käuferin darüber zu informieren, dass diese/r die Kosten übernehmen muss. Bei Dienstleistungen beginnt die 14-tägige Frist mit dem Tag des Vertragsabschlusses.
Verlängerung der Widerrufsfrist
Wenn der/die Verkäufer/in den Kunden/die Kundin nicht über das Widerrufsrecht gemäß Artikel 49 Absatz 1 Buchstabe h des Verbraucherschutzgesetzes informiert, verlängert sich die Frist für die Ausübung dieses Rechts zusätzlich zu den ursprünglichen 14 Tagen um 12 Monate.
Bei Käufen an einem physischen Standort kann die Widerrufsfrist auf 30 Tage verlängert werden, wenn der Kaufvertrag während eines unaufgeforderten Besuchs des Verkäufers/der Verkäuferin oder bei einer vom Verkäufer organisierten „Verkaufsparty“ in einer Käuferwohnung zustande kommt
Zusammenfassung der Widerrufsfirsten bei Online-Käufen
- Normale Widerrufsfrist: 14 Tage
- Widerrufsfrist, wenn der/die Verbraucher/in nicht über seine/ihre Rechte belehrt wird: 14 Tage + 12 Monate
- Widerrufsfrist für Verträge, die bei unaufgeforderten Hausbesuchen abgeschlossen werden: 30 Tage
Was gilt für ausländische Kunden?
Angenommen, Ihr E-Commerce-Unternehmen hat seinen Sitz in Italien und Sie verkaufen in andere Länder. In diesem Fall müssen Sie sich auch mit den gesetzlichen Bestimmungen dieser Länder vertraut machen. Ausländische Käufer haben das Recht zu verlangen, dass die Widerrufsvorschriften ihres Landes angewendet werden, wenn diese für sie günstiger sind als das italienische Recht. In den meisten EU-Mitgliedstaaten sind sie denen Italiens sehr ähnlich, da sie aus den einschlägigen EU-Richtlinien abgeleitet sind.
Welche Fälle sind vom Widerrufsrecht ausgenommen?
Das Gesetz sieht vor, dass das Widerrufsrecht für Bestellungen im Internet in bestimmten Fällen nicht gilt, darunter:
für verderbliche Waren oder solche, die ihre Nutzbarkeit rasch verlieren.
für Waren, die nach der Lieferung durch ihre Beschaffenheit untrennbar mit anderen vermischt werden.
für versiegelte Waren, die vom Verbraucher geöffnet wurden und aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen nicht zurückgegeben werden können.
für Fälle, in denen der Kunde ausdrücklich den Besuch eines Unternehmensvertreters für dringende Reparatur- oder Wartungsarbeiten angefordert hat. Das Widerrufsrecht gilt jedoch weiterhin für im Zuge dieses Besuchs erbrachte zusätzliche Dienstleistungen, die über die vom Kunden ausdrücklich angeforderten hinausgehen, oder verkaufte Produkte, die nicht für die Reparatur oder Wartung erforderliche Ersatzteile sind.
für versiegelte Computersoftware, die nach der Lieferung geöffnet wurde.
für digitale Inhalte, die nicht auf einem physischen Datenträger geliefert werden, wenn die Leistungserbringung mit der ausdrücklichen Zustimmung des Verbrauchers begonnen hat und dieser akzeptiert hat, dass er in solchen Fällen sein Widerrufsrecht verlieren würde.
Widerrufsrecht bei Online-Abonnements
Zu den digitalen Inhalten zählen auch Online-Abonnements. In diesem Zusammenhang hat der Europäische Gerichtshof entschieden, dass ein Verbraucher weiterhin die Möglichkeit hat, von einem Fernabsatzvertrag zurückzutreten, wenn er eine Dienstleistung mit einem anfänglichen kostenlosen Zeitraum abonniert. Die Mitgliedschaft verlängert sich automatisch, in der Regel nur einmal, sofern sie nicht gekündigt wird.
Wenn der Verbraucher jedoch zum Zeitpunkt des Abonnements nicht klar, transparent und ausdrücklich darüber informiert wurde, dass nach der kostenlosen Testphase eine Zahlung anfallen würde, ist er berechtigt, das Widerrufsrecht auch nach Ablauf der ursprünglichen Frist auszuüben.
Widerrufsrecht für Firmenkunden
Während das Widerrufsrecht für private Verbraucher (B2C) gesetzlich verankert ist, gibt es beim Verkauf an Firmenkunden (B2B) keine derartige Regelung. Es steht B2B-Unternehmen aber frei, ein entsprechendes Widerrufsrecht in ihre Geschäftsbedingungen aufzunehmen.
Wenn Sie ein digitales Geschäft betreiben oder planen, eines zu eröffnen, gibt es neben dem Widerrufsrecht für Internet-Bestellungen noch weitere Faktoren zu beachten, darunter die Wahl eines zuverlässigen Zahlungsdienstleisters. Die Wahl der passenden Zahlungsplattform ist wichtig, um Zahlungen schnell und effizient abzuwickeln und den Kunden die am besten geeigneten Zahlungsmethoden anzubieten. Mit der Suite zur Optimierung des Bezahlvorgangs können Sie mithilfe von Lösungen wie Stripe Payments weltweit online und persönlich Zahlungen annehmen, die Konversionsrate erhöhen, die Rechtskonformität sicherstellen und Tausende von Technikerstunden einsparen.
Welche Pflichten hat der Verkäufer beim Widerruf von Online-Käufen?
Um sicherzustellen, dass Einkäufe im Internet mit dem Widerrufsrecht konform sind und potenzielle Zahlungsanfechtungen minimiert werden, sollten Sie die folgenden Punkte beachten:
Sie müssen dem Kunden detaillierte Informationen über die Möglichkeit der Stornierung einer Bestellung in italienischer Sprache zur Verfügung stellen. Zu diesem Zweck können Sie das in Anhang I.A des Verbraucherschutzgesetzes bereitgestellte Musterformular verwenden.
Sie müssen dem Kunden das Widerrufsformular für Internet-Bestellungen gemäß Anhang I.B übermitteln.
Das Gesetz sieht prinzipiell vor, dass die Rückgabekosten vom Kunden zu tragen sind, aber E-Commerce-Unternehmen können diese nach Wunsch auch übernehmen. Dies muss jedoch in den Geschäftsbedingungen klar mitgeteilt werden.
Sie als Verkäufer müssen die vom Kunden erhaltenen Zahlungen über dieselbe Zahlungsmethode, die für den ursprünglichen Kauf verwendet wurde, zurückerstatten, und zwar innerhalb von 14 Tagen ab dem Tag, an dem der Kunde Sie über seine Widerrufsabsicht informiert hat.
Sie können die Rückerstattung zurückhalten, bis Sie die Ware erhalten haben oder bis der Kunde einen Versandnachweis vorlegt.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.