Die Umsatzsteuer im Reihengeschäft: Das sollten deutsche Unternehmen wissen

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  1. Einführung
  2. Was ist ein Reihengeschäft?
  3. Was ist der Unterschied zwischen einer bewegten und einer ruhenden Lieferung?
  4. Wer trägt die Umsatzsteuer im Reihengeschäft?
    1. Nationale Lieferkette
    2. Innergemeinschaftliche Lieferkette
  5. Welche Regelungen sind in Reihengeschäften bei der Rechnungsstellung zu beachten?
    1. Unterscheidung von bewegten und ruhenden Lieferungen
    2. Pflichtangaben auf der Rechnung
  6. Wie funktionieren Reihengeschäfte mit Drittländern?
  7. Wie funktionieren Reihengeschäfte, wenn Privatpersonen involviert sind?

Durch die fortschreitende Vernetzung von Unternehmen und die Zunahme digitaler Marktplätze sind an Warenlieferungen häufig mehr als zwei Vertragspartner/innen beteiligt. Dies hat insbesondere Auswirkungen auf die Umsatzsteuerpflicht.

In diesem Artikel erfahren Sie, was ein Reihengeschäft ist und worin der Unterschied zwischen einer bewegten und einer ruhenden Lieferung besteht. Zudem erklären wir, wer bei einem Reihengeschäft die Umsatzsteuer trägt und was bei der Rechnungsstellung zu beachten ist.

Worum geht es in diesem Artikel?

  • Was ist ein Reihengeschäft?
  • Was ist der Unterschied zwischen einer bewegten und einer ruhenden Lieferung?
  • Wer trägt die Umsatzsteuer im Reihengeschäft?
  • Welche Regelungen sind in Reihengeschäften bei der Rechnungsstellung zu beachten?
  • Wie funktionieren Reihengeschäfte mit Drittländern?
  • Wie funktionieren Reihengeschäfte, wenn Privatpersonen involviert sind?

Was ist ein Reihengeschäft?

Ein Reihengeschäft liegt laut § 3 Abs. 6a Satz 1 Umsatzsteuergesetz (UStG) vor, wenn mehr als zwei Unternehmen über denselben Gegenstand Liefergeschäfte abschließen und der Gegenstand bei der Beförderung oder Versendung unmittelbar vom ersten Unternehmen an die finalen Abnehmer/innen gelangt. Beförderung bedeutet in diesem Zusammenhang jede Fortbewegung des Gegenstands; die Versendung meint eine Beauftragung von Speditionen oder anderen Lieferdienstleistungen. Charakteristisch für ein Reihengeschäft ist, dass einer einzigen Warenbewegung mehrere Umsatzgeschäfte gegenüberstehen.

Ein Beispiel: Max Mustermann bestellt beim ortsansässigen Möbelhändler einen Holztisch. Dieser bestellt den Tisch bei einem Großhändler und erteilt ihm den Auftrag, den Tisch direkt an Max Mustermann zu schicken. Da der Tisch direkt vom Großhändler an den Kunden geliefert wird, liegt ein Reihengeschäft vor.

beispiel-1-reihengeschäft - Grafische Darstellung eines einfachen Reihengeschäfts mit drei involvierten Parteien: Max Mustermann, der seinem Möbelhändler einen Auftrag erteilt, ein Möbelhändler, der einem Großhändler einen Auftrag erteilt, und ein Großhändler, der die Ware direkt zu Max Mustermann liefert.

Eine gängige und unkomplizierte Art des Reihengeschäfts ist das Dropshipping, was besonders für Online-Händler/innen und Wiederverkäufer/innen relevant ist. Wenn ein Kund/eine Kundin ein Produkt bei einem Online-Shop kauft, versendet beim Dropshipping der Hersteller/die Herstellerin oder der Großhändler die Ware – nicht der Shop selbst. Der Vorteil für den Online-Shop ist, dass er das Produkt nicht in seinem eigenen Lager vorrätig halten muss.

Ein Reihengeschäft kann jedoch komplexer sein und mehr als drei Parteien umfassen.

Beispiel: Ein Unternehmen in Deutschland bestellt einige Geräte bei seinem Lieferanten in Österreich. Der Lieferant in Österreich bestellt die Geräte bei einem Großhändler in Frankreich. Da der Großhändler in Frankreich die Geräte nicht auf Lager hat, bestellt er sie bei einem Großhändler in Italien. Der Großhändler in Italien liefert die Geräte dann direkt an das Unternehmen in Deutschland.

Beispiel 2: Reihengeschäft - Grafische Darstellung eines einfachen Reihengeschäfts mit drei involvierten Parteien: Max Mustermann, der seinem Möbelhändler einen Auftrag erteilt, ein Möbelhändler, der einem Großhändler einen Auftrag erteilt, und ein Großhändler, der die Ware direkt zu Max Mustermann liefert.

Was ist der Unterschied zwischen einer bewegten und einer ruhenden Lieferung?

Eine bewegte Lieferung bezeichnet eine Lieferung, bei der die Waren physisch zu ihrem Endbestimmungsort transportiert werden. Es findet demnach eine Beförderung oder Versendung der Ware statt. Die ruhenden oder unbewegten Lieferungen sind die anderen Lieferungen in der Reihe, die keine physische Warenbewegung auslösen, sondern nur im rechtlichen Sinn stattfinden.

In einem Reihengeschäft gilt nur eine Lieferung als „bewegte Lieferung“, während die übrigen Lieferungen „ruhende Lieferungen“ sind. Die Unterscheidung zwischen bewegt und ruhend ist essenziell für die steuerliche Behandlung der Lieferungen.

Dabei ist wichtig, dass der Begriff „Lieferung“ sich grundsätzlich auf ein rechnungspflichtiges Umsatzgeschäft bezieht, nicht auf eine physische Warenbewegung. Eine Lieferung liegt daher auch dann vor, wenn kein physischer Standortwechsel der Ware stattfindet. Der Begriff „Lieferort“ ist ebenfalls nicht von der tatsächlichen Warenbewegung abgeleitet, sondern sagt bei einem Umsatzgeschäft lediglich aus, in welchem Land dieses steuerbar ist.

Wer trägt die Umsatzsteuer im Reihengeschäft?

Die umsatzsteuerliche Behandlung eines Reihengeschäfts hängt davon ab, ob die Lieferung aktiv oder passiv ist. Die Umsatzsteuer variiert auch je nachdem, ob die Lieferungen inländisch oder grenzüberschreitend erfolgen.

Nationale Lieferkette

Bei einem Reihengeschäft, bei dem alle beteiligten Unternehmen in Deutschland ansässig sind, findet kein grenzüberschreitender Warenverkehr statt. Daher gelten für die Lieferungen innerhalb der Reihe die Umsatzsteuerregeln in Deutschland.

  • Aktive Lieferung: Da die Unternehmen die Waren innerhalb Deutschlands transportieren, unterliegt diese Lieferung in Deutschland der Umsatzsteuer. Die für die aktive Lieferung verantwortlichen Verkäufer/innen erheben in Deutschland Umsatzsteuer, die der Kunde/die Kundin als Vorsteuer absetzen kann.
  • Passive Lieferung: Auch diese Lieferungen sind in einer inländischen Lieferkette steuerpflichtig und in Deutschland umsatzsteuerpflichtig

Bei einer inländischen Lieferkette sind alle Lieferungen, ob aktiv oder passiv, in Deutschland steuerpflichtig. Es gibt keine steuerfreien Lieferungen, da die Ware innerhalb Deutschlands verbleibt.

Innergemeinschaftliche Lieferkette

Wenn ein Reihengeschäft Unternehmen aus verschiedenen EU-Mitgliedstaaten umfasst, liegt ein grenzüberschreitender Warenverkehr vor. Dies gilt als innergemeinschaftliches Reihengeschäft und es gelten die Regeln für innergemeinschaftliche Lieferungen. Was die Umsatzsteuerpflicht betrifft, muss jedoch zwischen aktiven und passiven Lieferungen unterschieden werden.

  • Aktive Lieferung: Wenn die aktive Lieferung bei einer innergemeinschaftlichen Transaktion grenzüberschreitend erfolgt, stufen die Behörden sie in der Regel als steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung ein. Voraussetzung dafür ist, dass Unternehmen Waren innerhalb des Reihengeschäfts von einem EU-Mitgliedstaat in einen anderen transportieren und die erforderlichen Nachweise hierfür vorlegen. In diesen Fällen ist die Lieferung von Waren für das liefernden oder abrechnende Unternehmen steuerfrei. Für das Unternehmen, das die Waren erhält, liegt jedoch ein innergemeinschaftlicher Erwerb vor, der dazu führt, dass das Unternehmen die Umsatzsteuer in seinem Heimatland zahlen muss. Wenn dieses Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist, kann es seine gezahlte Umsatzsteuer mit der Vorsteuer verrechnen.
  • Passive Lieferung: Bei einem innergemeinschaftlichen Reihengeschäft mit Unternehmen aus verschiedenen EU-Ländern sind die passiven Lieferungen im Land der Niederlassung des jeweiligen Lieferanten steuerpflichtig. Beispielsweise wird eine passive Lieferung von einem Unternehmen in Deutschland an ein Unternehmen in Frankreich steuerlich als inländische Transaktion innerhalb Deutschlands behandelt.

Insbesondere digitale Plattformen und Marktplätze müssen die Umsatzsteuerregeln für Reihengeschäfte verstehen. Stripe Connect kann dabei helfen. Mit Connect erhalten Sie automatische Steuerberechnung und -erhebung, Vor-Ort-Zahlungsoptionen, Instant Payouts, Finanzierung, Firmenkreditkarten und mehr. Darüber hinaus können Ihre Kundinnen und Kunden weltweit auf eine Vielzahl lokaler Zahlungsmethoden zugreifen. Sie können Stripe Connect in nur wenigen Wochen integrieren, sodass Sie eine profitable Zahlungslösung entwickeln können, die mit Ihrem Unternehmen wachsen kann.

Welche Regelungen sind in Reihengeschäften bei der Rechnungsstellung zu beachten?

In einem Reihengeschäft müssen bestimmte Voraussetzungen bei der Rechnungsstellung erfüllt sein, um die korrekte umsatzsteuerliche Behandlung sicherzustellen.

Unterscheidung von bewegten und ruhenden Lieferungen

Falls die bewegte Lieferung grenzüberschreitend innerhalb der EU erfolgt, kann sie als steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung in Rechnung gestellt werden – vorausgesetzt, es liegen Nachweise, zum Beispiel Frachtpapiere für die Warenbewegung, vor. In diesem Fall muss auf der Rechnung eine Angabe zur Steuerbefreiung enthalten sein. Dies ist in Deutschland ein Hinweis auf die steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung gemäß § 6a UStG.

Die ruhende Lieferung ist steuerpflichtig, wenn das empfangende Unternehmen im selben Land wie das liefernde Unternehmen ansässig ist. Bei grenzüberschreitenden Reihengeschäften gilt die Lieferung im jeweiligen Land der Absender/innen als steuerpflichtig. Die Rechnungen müssen die jeweils geltende Umsatzsteuer ausweisen.

Pflichtangaben auf der Rechnung

Ist ein deutsches Unternehmen bei einer Lieferung in einem Reihengeschäft umsatzsteuerpflichtig, muss die Rechnung sämtliche Pflichtangaben nach § 14 UStG beinhalten:

  • vollständiger Name und vollständige Anschrift des leistenden Unternehmens
  • vollständiger Name und vollständige Anschrift der Leistungsempfängerin beziehungsweise des Leistungsempfängers
  • Datum der Rechnungsausstellung
  • Datum der Lieferung oder sonstigen Leistung
  • die dem leistenden Unternehmen vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer
  • eine fortlaufende, einmalig vergebene Rechnungsnummer
  • die Menge und Art der gelieferten Produkte oder den Umfang und die Art der erbrachten Dienstleistung
  • Nettobetrag der Ware oder Dienstleistung
  • der anzuwendende Steuersatz und der entsprechende Steuerbetrag oder im Fall einer Steuerbefreiung einen Hinweis auf die Steuerbefreiung
  • Bruttobetrag der Ware oder Dienstleistung

Wie funktionieren Reihengeschäfte mit Drittländern?

Reihengeschäfte, in denen Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU involviert sind, unterliegen besonderen umsatzsteuerlichen und zollrechtlichen Vorschriften.

Angenommen, folgende Parteien sind beteiligt:

  • Erstlieferant (A): ein US-amerikanisches Unternehmen
  • Zwischenhändler (B): ein deutsches Unternehmen
  • Endabnehmer (C): ein französisches Unternehmen

Die Ware wird direkt vom Erstlieferanten (A) an den Endabnehmer (C) geliefert, aber die Handelsverträge bestehen sowohl zwischen A und B als auch zwischen B und C. Die umsatzsteuerliche und zollrechtliche Behandlung der Lieferungen hängt davon ab, wer die Ware einführt.

Wenn der Zwischenhändler (B) die Ware in die EU einführt, trägt er in der Regel die Einfuhrumsatzsteuer und eventuell anfallende Zölle. Die Lieferung von B an C innerhalb der EU kann als innergemeinschaftliche Lieferung behandelt werden und wäre damit steuerfrei.

Wenn die Einfuhr durch den Endabnehmer (C) erfolgt, übernimmt C die Zahlung der Einfuhrumsatzsteuer und der Zölle.

Wie funktionieren Reihengeschäfte, wenn Privatpersonen involviert sind?

Bei Reihengeschäften mit Drittländern, bei denen Privatpersonen involviert sind, müssen gesonderte Regelungen beachtet werden, wie das untenstehende Beispiel zeigt.

Angenommen, folgende Parteien sind beteiligt:

  • Erstlieferant (A): ein US-amerikanisches Unternehmen
  • Zwischenhändler (B): ein deutsches Unternehmen
  • Endabnehmer (C): ein deutscher Privatkunde

Die bewegte Lieferung bei einem Reihengeschäft ist diejenige, bei der die physische Warenbewegung erfolgt. In diesem Beispiel wird sie der Lieferung von A an B zugeordnet, da die Ware aus den USA nach Deutschland geliefert wird. Die ruhende Lieferung ist die Lieferung von B an C. Sie findet nur rechtlich statt, da die Ware bereits auf dem Weg von den USA nach Deutschland ist und physisch nicht erneut bewegt wird.

Da die Ware aus einem Drittland nach Deutschland geliefert wird, fällt bei der Einfuhr in Deutschland eine Einfuhrumsatzsteuer an, die entweder von B oder im Namen von C gezahlt werden muss. Im konkreten Fall würde üblicherweise B als Importeur auftreten und die Einfuhrumsatzsteuer zahlen, um die Ware in den EU-Zollverkehr zu überführen.

Da es sich bei C um einen deutschen Privatkunden handelt, muss B die Ware inklusive deutscher Umsatzsteuer an C weiterverkaufen – auch wenn C als Privatperson keine Vorsteuer abziehen kann. Die Lieferung wird als steuerpflichtige Inlandslieferung behandelt, das heißt, B stellt C eine Rechnung mit deutscher Umsatzsteuer aus.

Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.

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