Das Lastschriftverfahren, insbesondere das SEPA-Lastschriftverfahren, ist eine der gängigsten Zahlungsmethoden für Unternehmen in Deutschland. In diesem Artikel erfahren Sie, was das Lastschriftverfahren ist und welche Vor- und Nachteile es bietet. Zudem erklären wir, wie Unternehmen in Deutschland das Lastschriftverfahren nutzen können und wie es sich von einer Abbuchung unterscheidet.
Worum geht es in diesem Artikel?
- Lastschriftverfahren: Bedeutung und Anwendung
- Verschiedene Arten von Lastschriftverfahren in Deutschland
- Welche Vorteile bietet das Lastschriftverfahren?
- Welche Nachteile bietet das Lastschriftverfahren?
- Wie können Unternehmen in Deutschland das Lastschriftverfahren nutzen?
- Was ist der Unterschied zwischen Abbuchung und Lastschriftverfahren?
Lastschriftverfahren: Bedeutung und Anwendung
Als Lastschrift wird der Vorgang bezeichnet, Geld im Rahmen eines Lastschriftverfahrens von einem Bankkonto einzuziehen. Dabei wird das Konto der Zahlungspflichtigen mit einer bestimmten Summe belastet und an die Zahlungsempfänger/innen als Gutschrift überwiesen. Diese Zahlungsmethode wird vor allem genutzt, um wiederkehrende Zahlungen wie Mieten, Abonnements oder Ratenzahlungen zu begleichen. Darüber hinaus nutzt mehr als die Hälfte der deutschen Kundinnen und Kunden die Möglichkeit, beim Online-Shopping per Lastschriftverfahren zu bestellen.
Das Lastschriftverfahren zeichnet sich insbesondere durch die folgenden Eigenschaften aus:
Einmalige Autorisierung: Zahlungspflichtige müssen die Lastschrift autorisieren. Durch das Ausfüllen eines Lastschriftmandats erteilen sie beispielsweise Händlerinnen und Händlern die Erlaubnis, Geld von ihrem Konto abzubuchen.
Pull-Prinzip: Das Verfahren funktioniert nach dem Pull-Prinzip. Dies bedeutet, dass die Händler/innen bestimmen, wann sie Zahlungen einziehen. Im Gegensatz dazu erfordert eine Zahlung per Push-Prinzip wie die Banküberweisung, dass diese von den Zahlungspflichtigen selbst initiiert wird.
Direktüberweisung zwischen Banken: Das Geld wird direkt von der Bank der Kundinnen und Kunden zur Bank der Händler/innen überwiesen – ohne die Beteiligung von Kreditkartennetzwerken wie Visa oder Mastercard.
Fest oder flexibel: Die Zahlungen können sowohl feste als auch variable Beträge umfassen und in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen abgebucht werden.
Verschiedene Arten von Lastschriftverfahren in Deutschland
Seit 2014 ist die SEPA-Lastschrift das allein gültige Lastschriftverfahren in Deutschland sowie im gesamten SEPA-Raum. Es wird dabei unterschieden zwischen der SEPA-Basislastschrift und der SEPA-Firmenlastschrift.
Die SEPA-Basislastschrift dient dem Zahlungsverkehr mit Privatkundinnen und -kunden (B2C), während die SEPA-Firmenlastschrift bei Transaktionen zwischen Unternehmen zum Einsatz kommt (B2B). Neben dem Einsatzbereich gibt es einen weiteren wesentlichen Unterschied: Bei der Basislastschrift ist es möglich, autorisierte Zahlungen innerhalb von acht Wochen zurückzubuchen. Bei der Firmenlastschrift gibt es hingegen kein solches Widerspruchsrecht. Unautorisierte Lastschriften können jedoch bei beiden Verfahren innerhalb von 13 Monaten nach der Kontobelastung rückgängig gemacht werden.
Vor Einführung der SEPA-Verfahren bestanden in Deutschland zwei nationale Lastschriftarten: die Einzugsermächtigung und der Abbuchungsauftrag. Erstere entsprach weitgehend der heutigen SEPA-Basislastschrift – allerdings begrenzt auf innerdeutsche Transaktionen. Der Abbuchungsauftrag wurde direkt bei der Bank der Zahlungspflichtigen eingereicht. Diese konnte dann Lastschriften von Dritten zulassen.
Welche Vorteile bietet das Lastschriftverfahren?
Das Lastschriftverfahren spielt in Deutschland eine wichtige Rolle, da es sowohl Kundinnen und Kunden als auch Unternehmen zahlreiche Vorteile bietet. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Vorteile:
Vorteile für Kundinnen und Kunden
Komfort und Zeitersparnis
Das Lastschriftverfahren bietet Ihrer Kundschaft ein hohes Maß an Komfort. Kundinnen und Kunden spielen bei der Transaktion keine aktive Rolle und müssen ihre Einwilligung lediglich einmal erteilen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, manuelle Überweisungen vorzunehmen, was insbesondere bei wiederkehrenden Zahlungen Zeit und Aufwand spart.Keine Sorge um Zahlungsfristen
Bei Zahlung per Rechnung müssen Kundinnen und Kunden die Zahlungsfrist einhalten. Bei Nichtzahlung können Verzugsgebühren oder ein negativer Eintrag bei der SCHUFA anfallen. Wenn Kundinnen und Kunden jedoch das Lastschriftverfahren nutzen, müssen sie sich keine Sorgen mehr darüber machen, Fristen zu versäumen. Die Automatisierung des Verfahrens gewährleistet eine stressfreie Abwicklung mit pünktlichen Zahlungen, ohne dass seitens des Kunden oder der Kundin weitere Maßnahmen erforderlich sind.Transparenz und Sicherheit
Beim Lastschriftverfahren ist jede Transaktion mit einem eindeutigen Mandat verknüpft. Dies ermöglicht die genaue Identifizierung und Rückverfolgbarkeit jeder Zahlung und gewährleistet eine transparente Dokumentation. Zudem wird das Risiko unbefugter Abbuchungen erheblich verringert.Rückbuchung
Ein wesentlicher Vorteil des Lastschriftverfahrens für Kundinnen und Kunden ist die Möglichkeit der Rückbuchung. Unberechtigte oder fehlerhafte Abbuchungen können innerhalb einer bestimmten Frist ohne Angabe von Gründen rückgängig gemacht werden. Die Rückbuchungsoption gewährleistet, dass Kundinnen und Kunden im Falle von Fehlern oder Betrugsversuchen die Möglichkeit haben, ihr Geld zurückzuerhalten.
Vorteile für Unternehmen
Planbarkeit des Zahlungseingangs
Das Lastschriftverfahren ist für Unternehmen besonders wichtig, da es die Zahlungseingänge vorhersehbar macht. Da das Geld zu einem festen Termin eingezogen wird, können Unternehmen genau vorhersagen, wann sie die Zahlung erhalten werden. Diese Zuverlässigkeit ermöglicht eine stabile Finanzplanung und kann das Cashflow-Management verbessern.Hohe Zahlungssicherheit
Das Lastschriftverfahren bietet Unternehmen ein hohes Maß an Zahlungssicherheit, da der fällige Betrag direkt vom Konto des Kunden bzw. der Kundin abgebucht wird. Unternehmen sind nicht darauf angewiesen, dass Kundinnen und Kunden ihre ausstehenden Rechnungen per Banküberweisung begleichen. In seltenen Fällen können Lastschriften zurückgewiesen werden (z. B. bei unzureichender Deckung, falschen Bankdaten oder aktiv widerrufenen Lastschriften). Unternehmen haben jedoch die Möglichkeit, die Zahlung erneut einzufordern oder alternative Maßnahmen zur Eintreibung der Forderung zu ergreifen.Transparenz und Sicherheit
Auch Unternehmen profitieren von der hohen Transparenz und Sicherheit des Lastschriftverfahrens. Der Prozess gewährleistet eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der Transaktionen, wodurch potenzielle Unstimmigkeiten oder Zahlungsrückstände schnell erkannt werden können. Die eindeutige Zuordnung jeder Transaktion zu einer Mandatsreferenz minimiert zudem das Betrugsrisiko. Darüber hinaus profitieren Unternehmen von zusätzlichen rechtlichen Schutzmaßnahmen, darunter Regelungen zur Widerrufs- und Rückbuchungsmöglichkeit.Effiziente Zahlungsabwicklung
Das Lastschriftverfahren zeichnet sich durch einen hohen Automatisierungsgrad aus. Dies reduziert den Verwaltungsaufwand für Unternehmen erheblich. Da die Zahlungen direkt vom Konto des Kunden bzw. der Kundin abgebucht werden, müssen Unternehmen Rechnungen, Zahlungseingänge oder Mahnungen nicht manuell bearbeiten. Dies spart Zeit und Personalressourcen und gewährleistet eine reibungslose und effiziente Zahlungsabwicklung. Das Lastschriftverfahren ist besonders wichtig für wiederkehrende Zahlungen wie Abonnements, Mitgliedsbeiträge oder Ratenzahlungen.
Welche Nachteile bietet das Lastschriftverfahren?
Neben vielen Vorzügen hat eine Zahlung per Lastschriftverfahren auch einige nachteilige Aspekte.
Nachteile für Zahlungspflichtige
Angabe persönlicher Bankdaten
Wenn Kundinnen und Kunden das Lastschriftverfahren beim Online-Kauf nutzen möchten, müssen sie im Bestellprozess ihre persönlichen Bankdaten angeben. Dies ist unter Umständen nicht immer erwünscht – insbesondere bei unbekannten Websites oder Online-Shops. Ein mögliches Risiko besteht in der missbräuchlichen Nutzung der sensiblen Daten: durch unbefugte Dritte oder betrügerische Händler/innen, die unrechtmäßige Abbuchungen vornehmen.Eingeschränkte Kontrolle über den Zahlungszeitpunkt
Die Abbuchung beim Lastschriftverfahren erfolgt automatisch zum festgelegten Termin. Dies bietet zwar Komfort, schränkt jedoch die finanzielle Flexibilität der Zahlungspflichtigen ein. Sie können Zahlungen nicht eigenständig verzögern oder anpassen. Besonders für Menschen mit schwankendem Geldeingang kann dies eine Herausforderung darstellen – beispielsweise, wenn das Konto zum Zeitpunkt der Abbuchung nicht ausreichend gedeckt ist. In solchen Fällen drohen Rücklastschriften, die mit zusätzlichen Gebühren verbunden sein können.Mögliche Verzögerungen bei Rückerstattungen
Wenn eine Bestellung storniert oder ein Produkt zurückgeschickt wird, muss der bereits eingezogene Betrag zurückerstattet werden. Dabei kann es unter Umständen zu Verzögerungen kommen. Diese entstehen unter anderem durch interne Bearbeitungsprozesse der Händler/innen sowie durch Banklaufzeiten, die je nach Zahlungsdienstleister/in variieren. Während Zahlungen per Lastschriftverfahren innerhalb weniger Sekunden eingezogen werden, kann die Rückbuchung mehrere Werktage in Anspruch nehmen.Risiko ungewollter oder fehlerhafter Abbuchungen
Beim Lastschriftverfahren kann es zu Abbuchungen kommen, die nicht mit den Kundinnen und Kunden vereinbart wurden. Mögliche Gründe sind technische Störungen, Buchhaltungsfehler oder Betrugsversuche. Wenn solche Abbuchungen unbemerkt bleiben, können sie zu unerwarteten finanziellen Belastungen führen. Um das Risiko zu minimieren, sollten Kundinnen und Kunden ihre Kontoauszüge regelmäßig überprüfen und verdächtige Abbuchungen umgehend melden.
Nachteile für Unternehmen
Erforderliche Zustimmung der Kundinnen und Kunden
Damit Händler/innen eine Zahlung per Lastschriftverfahren abbuchen können, benötigen sie die ausdrückliche Zustimmung ihrer Kundinnen und Kunden – in Form eines Lastschriftmandats. Das Einholen und Verwalten des Mandats ist mit zusätzlichen administrativen Schritten für die Zahlungsempfänger/innen verbunden.Risiko von Rückbuchungen
Händler/innen tragen beim Lastschriftverfahren das Risiko von Rücklastschriften. Diese treten beispielsweise auf, wenn eine Transaktion nicht erfolgreich durchgeführt werden kann oder im Nachhinein von den Zahlungspflichtigen angefochten wird. In diesen Fällen muss die Transaktion erneut angefordert werden. Dies führt nicht nur zu erhöhtem Verwaltungsaufwand, sondern unter Umständen auch zu zusätzlichen Gebühren und Liquiditätsengpässen.Keine Möglichkeit zur Anfechtung von Rücklastschriften
Wird eine Lastschrift zurückgebucht, haben Händler/innen keine Möglichkeit, diese direkt anzufechten oder die Zahlung automatisch wiederherzustellen. Stattdessen müssen sie den Betrag erneut einziehen oder auf alternative Weise eine Begleichung der Forderung anstreben. Dies bedeutet administrativen Mehraufwand und Verzögerungen beim Zahlungseingang. Unter Umständen ist es notwendig, den direkten Kontakt zur Kundschaft zu suchen, um die Sachlage zu klären. Sollte keine Einigung erzielt werden, kann als letzter Schritt ein Mahnverfahren oder Inkassodienst eingeschaltet werden. Diese sind jedoch mit Kosten verbunden.Abhängigkeit von Bankprozessen
Der Zahlungseinzug ist von den Prozessen der Banken abhängig. Dies bedeutet, dass externe Faktoren wie Feiertage, technische Störungen oder systembedingte Verzögerungen bei den Finanzinstituten zu einer verspäteten Abbuchung führen können. Händler/innen haben in diesen Fällen wenig Einfluss auf den Ablauf und müssen auf die korrekte und zeitgerechte Durchführung der Bankprozesse vertrauen.
Wie können Unternehmen in Deutschland das Lastschriftverfahren nutzen?
Um SEPA-Lastschriften nutzen zu können, müssen Unternehmen in Deutschland entweder mit einer Bank oder einem Zahlungsdienstleister zusammenarbeiten. Sie müssen ein Geschäftskonto bei einer Bank eröffnen und einen Vertrag abschließen, der den Einzug von Zahlungen ermöglicht. Die Bank ist für den Einzug der Zahlungen und die Verwaltung der Lastschriftmandate zuständig.
Alternativ bieten Zahlungsdienstleister wie Stripe eine noch einfachere Lösung an. Stripe kann den gesamten Zahlungsprozess, die Verwaltung von Lastschriftmandaten und die Bearbeitung von Rückbuchungen für Sie übernehmen. Eine direkte Verbindung zur Bank ist nicht erforderlich. Darüber hinaus können Unternehmen mit Stripe Payments weltweit Zahlungen entgegennehmen und ihren Kundinnen und Kunden die vor Ort bevorzugten Zahlungsmethoden anbieten. Die Lastschrift ist nur eine von mehr als hundert möglichen Zahlungsmethoden.
Unabhängig davon, ob Banken oder Dienstleister die Zahlungen abwickeln, sind Unternehmen verpflichtet, erhaltene Lastschriftmandate für einen Zeitraum von 14 Monaten nach der letzten Lastschrift aufzubewahren. Darüber hinaus müssen sie die Anforderungen der überarbeiteten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) und des deutschen Gesetzes zur Umsetzung der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (ZDUG) einhalten. Diese regeln die Rechte und Pflichten von Kundinnen und Kunden sowie Unternehmen, einschließlich der Mandatsverwaltung, der Rückgabefristen und der Autorisierungsanforderungen.
Was ist der Unterschied zwischen Abbuchung und Lastschriftverfahren?
Der Unterschied zwischen einer gewöhnlichen Abbuchung und einem Lastschriftverfahren liegt in der Art und Weise, wie die Zahlung veranlasst wird. Bei einer gewöhnlichen Abbuchung erteilt eine Bank den Auftrag, einen Betrag vom Konto eines Kunden bzw. einer Kundin abzubuchen. Dabei kann es sich beispielsweise um einen Dauerauftrag handeln, der vom Schuldner oder von der Schuldnerin eigenständig veranlasst wird. Der Begriff „Abbuchung“ wird jedoch häufig als Oberbegriff für alle Kontobelastungen verwendet – unabhängig davon, wer die Zahlung veranlasst.
Im Gegensatz dazu basiert das Lastschriftverfahren auf einem Lastschriftmandat. Die damit verbundene Überweisung wird nicht direkt von der Bank, sondern vom Unternehmen veranlasst. Bei einer Lastschrift muss das Unternehmen den Zahlungsauftrag erteilen, woraufhin die Bank die Abbuchung vornimmt.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.