Deutsche Onlinehändler/innen stehen vor der Herausforderung, ihren Kundinnen und Kunden ein vielfältiges Zahlungsangebot bereitzustellen. Die Auswahl reicht von klassischen Optionen bis hin zu immer neuen digitalen Lösungen. Ein Klassiker ist die Vorkasse, die nach wie vor von vielen Online-Shops genutzt wird.
In diesem Artikel erfahren Sie, was Vorkasse genau bedeutet, wie sie funktioniert und welche rechtlichen Vorgaben für Onlinehändler/innen in Deutschland gelten. Zudem erklären wir, welche Bedeutung die Vorkasse im deutschen E-Commerce hat, wie Händler/innen von der Zahlungsoption profitieren und welche Alternativen es gibt. Zuletzt räumen wir mit einigen Missverständnissen rund um die Vorkasse auf.
Worum geht es in diesem Artikel?
- Was bedeutet Vorkasse?
- Wie funktioniert Vorkasse?
- Vorkasse im deutschen E-Commerce: Rechtlicher Rahmen und Händlerpflichten
- Bedeutung der Vorkasse im deutschen Onlinehandel
- Häufige Missverständnisse bei der Vorkasse
Was bedeutet Vorkasse?
Vorkasse bezeichnet eine Zahlungsbedingung im Handel, bei der Käufer/innen den Kaufpreis vollständig bezahlen, bevor die Verkäufer/innen die Ware liefern oder eine Dienstleistung erbringen. Häufig wird dieses Zahlungsmodell auch als Vorauskasse oder Vorauszahlung bezeichnet.
Abgrenzung zu anderen Zahlungsmethoden
Die Vorkasse unterscheidet sich von anderen Zahlungsarten vor allem durch den Zeitpunkt der Zahlung beziehungsweise des Zahlungseingangs bei den Händlerinnen und Händlern. Bei Vorkasse erhalten die Händler/innen den vollständigen Betrag vor der Lieferung oder Leistungserbringung.
Im Gegensatz dazu erfolgt beim Kauf auf Rechnung die Zahlung erst nach Erhalt der Ware innerhalb einer festgelegten Frist. Bei der Lastschrift erteilen die Käufer/innen den Händlerinnen und Händlern ein Mandat, sodass diese den Betrag zu einem festgelegten Fälligkeitstag vom Käuferkonto einziehen können.
Bei der Kreditkartenzahlung geben Käufer/innen ihre Kartendaten direkt im Bestellprozess ein. Der Zahlungsdienst prüft die Karte sofort und bestätigt, dass der Betrag belastet werden kann. Die Händler/innen erhalten dadurch unmittelbar eine Zahlungszusage und können die Bestellung in der Regel direkt weiterverarbeiten. Die tatsächliche Auszahlung des Betrags auf das Händlerkonto erfolgt jedoch meist zeitversetzt durch den Zahlungsdienstleister, in der Regel innerhalb weniger Tage.
Im Unterschied zu diesen Verfahren treten die Käufer/innen bei einer Zahlung per Vorkasse in Vorleistung. Für deutsche E-Commerce-Unternehmen ist diese Unterscheidung insbesondere bei der Gestaltung von Zahlungsbedingungen, AGB und Bezahlvorgängen von Bedeutung.
Wie funktioniert Vorkasse?
Der Ablauf der Vorkasse im E-Commerce lässt sich klar in einzelne Schritte gliedern:
- Bestellung: Käufer/innen wählen Produkte aus, schließen den Bestellvorgang im Online-Shop ab und wählen dabei Vorkasse als Zahlungsoption aus.
- Bestellbestätigung: Im Anschluss erhalten die Käufer/innen eine Bestellbestätigung sowie eine Rechnung mit den Bankdaten des Händlers bzw. der Händlerin.
- Zahlung: Die Käufer/innen überweisen den Rechnungsbetrag auf das angegebene Händlerkonto.
- Zahlungseingang: Händler/innen prüfen den Geldeingang und ordnen ihn der entsprechenden Bestellung zu.
- Freigabe der Bestellung: Nach bestätigtem Zahlungseingang wird die Bestellung für die weitere Bearbeitung freigegeben.
- Versand oder Leistungserbringung: Die Händler/innen versenden die Ware oder erbringen die vereinbarte Dienstleistung.
- Stornierung bei Nichtzahlung: Erfolgt innerhalb einer vereinbarten Frist keine Zahlung vonseiten der Käufer/innen, können die Händler/innen die Bestellung stornieren oder vom Vertrag zurücktreten.
Vorkasse im deutschen E-Commerce: Rechtlicher Rahmen und Händlerpflichten
Die Zahlung per Vorkasse ist im deutschen Onlinehandel eine weit verbreitete, grundsätzlich zulässige Zahlungsbedingung. Gleichzeitig bewegt sie sich in einem klar geregelten rechtlichen Rahmen.
Gesetzliche Informationspflichten im Onlinehandel
Onlinehändler/innen müssen bereits vor Abschluss eines Kaufvertrags transparent darüber informieren, welche Zahlungsarten sie anbieten und welche Bedingungen damit verbunden sind. Diese Informationspflichten ergeben sich unter anderem aus § 312j Abs. 1 BGB, wonach Unternehmer/innen im elektronischen Geschäftsverkehr spätestens zu Beginn des Bestellvorgangs klar und verständlich angeben müssen, welche Zahlungsmittel akzeptiert werden und ob Lieferbeschränkungen bestehen.
Zusätzlich regelt das BGB, dass Verbraucher/innen bei einer Onlinebestellung ausdrücklich bestätigen müssen, eine zahlungspflichtige Bestellung abzugeben – beispielsweise über einen Button mit der Beschriftung „zahlungspflichtig bestellen“. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Verbraucher/innen die finanziellen Konsequenzen eines Vertragsabschlusses eindeutig erkennen.
Darüber hinaus verpflichten Art. 246a § 1 Abs. 1 EGBGB sowie § 312d BGB Onlinehändler/innen dazu, Verbraucher/innen vor Vertragsabschluss über wesentliche Vertragsbedingungen zu informieren. Dazu gehören unter anderem Angaben zu Preisen, Zahlungsbedingungen, Liefer- und Leistungsbedingungen sowie zum Widerrufsrecht. Diese Vorschriften setzen die europäische Verbraucherrechte-Richtlinie (Richtlinie 2011/83/EU) in deutsches Recht um.
Widerrufsrecht und Rückerstattung bei Vorkasse
Auch bei der Zahlungsart Vorkasse gelten die üblichen Verbraucherrechte im Onlinehandel. Dazu gehört insbesondere das gesetzliche Widerrufsrecht für Verbraucher/innen bei Fernabsatzverträgen.
Widerrufen Käufer/innen einen Onlinekauf innerhalb der gesetzlichen Frist, müssen Händler/innen bereits gezahlte Beträge grundsätzlich zurückerstatten. Dies gilt auch dann, wenn der Kaufpreis bereits im Voraus per Überweisung bezahlt wurde.
Die Rückzahlung muss laut gesetzlicher Vorgaben in der Regel innerhalb von 14 Tagen nach Eingang des Widerrufs erfolgen, wobei Händler/innen die Rückzahlung unter bestimmten Umständen bis zum Eingang der retournierten Ware zurückhalten dürfen.
Bedeutung der Vorkasse im deutschen Onlinehandel
Vorkasse ist weiterhin eine etablierte Zahlungsoption im deutschen Onlinehandel, spielt im Vergleich zu anderen Zahlungsmethoden jedoch eine deutlich kleinere Rolle. Während unter anderem der Kauf auf Rechnung, Lastschriften und Kartenzahlungen deutlich höhere Umsatzanteile aufweisen, wird Vorkasse vor allem in spezifischen Anwendungsfällen genutzt.
Deutsche Händler/innen bieten sie häufig als ergänzende Alternative an, insbesondere in Shops mit spezifischen Produkten, im B2B-Bereich oder bei individualisierten Waren
Vorteile der Vorkasse aus Händlersicht
Für Händler/innen bietet die Vorkasse mehrere praktische Vorteile im täglichen Geschäftsbetrieb. Der wichtigste Vorteil ist die garantierte Zahlung vor der Lieferung. Da der Kaufpreis bereits eingegangen ist, bevor die Ware versendet wird, besteht kein Risiko von Zahlungsausfällen oder unbezahlten Rechnungen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Rückbuchungen praktisch ausgeschlossen sind. Bei vielen anderen Zahlungsarten – etwa Lastschrift oder Kreditkarte – können Käufer/innen eine Belastung unter bestimmten Voraussetzungen rückgängig machen. Bei einer klassischen Banküberweisung im Rahmen der Vorkasse ist dies nach Abschluss der Transaktion in der Regel nicht ohne weiteres möglich.
Darüber hinaus ist die Zahlungsart für Händler/innen vergleichsweise kostengünstig. Da keine Zahlungsdienstleister mit komplexen Risikoprüfungen oder Käuferschutzsystemen eingebunden werden müssen, fallen häufig geringere Transaktionskosten an als bei vielen digitalen Zahlungsarten.
Nachteile aus Sicht der Käufer/innen
Aus Perspektive der Käufer/innen bringt die Vorkasse potenziell einige Nachteile mit sich. Da die Zahlung bereits vor dem Versand erfolgt, tragen Kundinnen und Kunden das Risiko, dass die Ware verspätet geliefert wird oder im schlimmsten Fall gar nicht ankommt. Eine Vorauszahlung setzt daher ein gewisses Maß an Vertrauen der Käufer/innen in die Zuverlässigkeit der Händler/innen voraus.
Käufer/innen können bei der Vorkasse auch die zusätzliche Wartezeit im Bestellprozess als nachteilig empfinden. Während viele digitale Zahlungsarten eine sofortige Zahlungsbestätigung ermöglichen, kann eine Banküberweisung je nach Bank und Zeitpunkt der Überweisung ein bis zwei Werktage benötigen. Die Händler/innen beginnen in der Regel erst nach dem bestätigten Zahlungseingang mit der Bearbeitung und dem Versand der Bestellung.
Kombination mit weiteren Zahlungsmethoden im Checkout
Da Vorkasse aus Händlersicht zwar risikoarm, aus Kundensicht jedoch mit Unsicherheiten und zusätzlicher Wartezeit verbunden sein kann, wird sie in der Praxis meist nicht als alleinige Zahlungsoption angeboten.
Stattdessen kombinieren viele Händler/innen die Vorauszahlung mit weiteren Zahlungsmethoden im Bezahlvorgang. Dadurch können sie einerseits eine vergleichsweise sichere Zahlungsoption für sich selbst bereitstellen und andererseits den unterschiedlichen Erwartungen und Sicherheitsbedürfnissen ihrer Kundinnen und Kunden gerecht werden.
Moderne Bezahllösungen wie Stripe Payments unterstützen Händler/innen dabei, mehrere Zahlungsarten parallel anzubieten und den Bezahlvorgang möglichst reibungslos zu gestalten. Mit Payments erhalten Händler/innen Zugang zu über 125 Zahlungsmethoden und können ihr Zahlungsangebot flexibel an unterschiedliche Märkte und Kundenerwartungen anpassen. Grenzüberschreitende Zahlungsoptionen ermöglichen es, Zahlungen aus bis zu 195 Ländern zu akzeptieren und über 135 Währungen zu verarbeiten. Die Vielzahl an Alternativen zur Vorkasse ermöglicht ein flexibles Zahlungsangebot im Online-Shop und reduziert das Risiko von Kaufabbrüchen.
Häufige Missverständnisse bei der Vorkasse
Die Vorkasse wird im E-Commerce gelegentlich missverstanden, was zu falschen Erwartungen und Unsicherheiten im Bestellprozess führen kann. Wir räumen mit einigen typischen Missverständnissen auf:
Vorkasse ist nicht gleich SEPA-Lastschrift
Vorkasse wird häufig mit anderen bankbasierten Zahlungsarten verwechselt, insbesondere mit der SEPA-Lastschrift. Tatsächlich unterscheiden sich beide Verfahren jedoch grundlegend.
Bei der Vorkasse erhalten Käufer/innen zunächst eine Vorkasse-Rechnung und überweisen anschließend den Rechnungsbetrag auf das Konto der Händler/innen, bevor die Ware versendet wird. Bei der SEPA-Lastschrift hingegen erteilen Käufer/innen den Händlerinnen und Händlern ein Mandat, sodass diese den Betrag eigenständig vom Konto einziehen können. Die Zahlung erfolgt in diesem Fall also nicht aktiv durch die Käufer/innen, sondern wird vom Händler bzw. der Händlerin ausgelöst.
Vorkasse beinhaltet keinen integrierten Käuferschutz
Anders als einige moderne Online-Zahlungsmethoden verfügt die klassische Vorkasse in der Regel über keinen automatischen Käuferschutz. Während Zahlungsdienste oder Kreditkartenanbieter teilweise Mechanismen zur Rückbuchung oder Streitfallbearbeitung anbieten, erfolgt eine Banküberweisung im Rahmen der Vorkasse grundsätzlich direkt zwischen Käufer- und Händlerkonto. Nach Abschluss der Transaktion lässt sich die Zahlung daher meist nur schwer rückgängig machen.
Käufer/innen sollten deshalb insbesondere bei unbekannten Online-Shops auf vertrauenswürdige Anbieter und transparente Unternehmensinformationen achten.
Verzögerungen entstehen häufig durch Banklaufzeiten
Wenn sich der Versand einer Bestellung verzögert, liegt dies bei der Vorkasse in vielen Fällen nicht am Händler selbst, sondern an den Bearbeitungszeiten der Banken. Je nach Finanzinstitut und Zeitpunkt der Überweisung kann es einige wenige Werktage dauern, bis der Betrag auf dem Händlerkonto eingeht und dort verbucht wird.
Erst nach dem bestätigten Zahlungseingang beginnen viele Händler/innen mit der weiteren Bearbeitung der Bestellung. Für Käufer/innen kann dies den Eindruck erwecken, dass sich der Versand verzögert, obwohl Händler/innen den Versand nur aufgrund des ausstehenden Zahlungseingangs zurückhält.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.