„Buy Now, Pay Later“ ist in Deutschland bei allen Altersgruppen beliebt. Eine Umfrage im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unter Verbraucherinnen und Verbrauchern im Alter von 18 bis 60 Jahren ergab, dass knapp ein Drittel diese Zahlungsform gelegentlich nutzt, während zehn Prozent sie monatlich und neun Prozent sogar häufig in Anspruch nehmen.
In diesem Artikel erfahren Sie, was „Buy Now, Pay Later“ ist, wie es funktioniert und wie es sich von anderen Zahlungsmethoden unterscheidet. Zudem erläutern wir, welchen Einfluss es auf das Kaufverhalten von Kundinnen und Kunden haben kann, welche finanziellen Auswirkungen für Händler/innen zu beachten sind und wie Sie „Buy Now, Pay Later“ als Händler/in anbieten können.
Das Wichtigste auf einen Blick
- BNPL erlaubt Käuferinnen und Käufern den sofortigen Erhalt der Ware bei späterer Bezahlung.
- Die Zahlung erfolgt wahlweise einmalig oder in Raten mit zusätzlichen Zinsen oder Gebühren.
- Umfragen und Studien deuten darauf hin, dass BNPL-Käufer/innen tendenziell mehr Käufe tätigen und mehr Geld ausgeben als Nutzer/innen klassischer Zahlungsarten.
- Händler/innen erhalten bei BNPL ihr Geld meist sofort vom Zahlungsdienstleister, wodurch das Ausfallrisiko reduziert und der Cashflow stabilisiert wird.
- BNPL reduziert den Verwaltungsaufwand für Händler/innen, da Abwicklung, Bonitätsprüfung und Mahnwesen vom Dienstleister übernommen werden.
- Mit Stripe Payments können Händler/innen BNPL schnell und einfach integrieren, Zahlungen zentral verwalten und Rückerstattungen effizient abwickeln.
Was ist „Buy Now, Pay Later“?
„Buy Now, Pay Later“ (BNPL), auf Deutsch „Jetzt kaufen, später bezahlen“, ist eine kreditbasierte Zahlungsoption im stationären und vor allem im Online-Handel. Kundinnen und Kunden erhalten die Ware sofort, bezahlen jedoch zu einem späteren Zeitpunkt. Dabei haben sie in der Regel die Wahl zwischen einer einmaligen Zahlung oder einer Aufteilung des Betrags in mehrere Teilzahlungen. Abhängig vom gewählten Modell und vom jeweiligen Anbieter ist die spätere Einmalzahlung häufig gebührenfrei, während bei der Aufteilung in Raten meist Zinsen oder zusätzliche Kosten anfallen.
Für Kundinnen und Kunden hat „Buy Now, Pay Later“ den Vorteil, dass sie finanzielle Flexibilität gewinnen, indem sie den Zahlungszeitpunkt an ihre individuelle finanzielle Situation anpassen. Händler/innen in Deutschland profitieren bei BNPL vor allem von einem schnellen Zahlungseingang, wenn die Zahlungsabwicklung über spezialisierte Anbieter erfolgt, die in Vorleistung gehen.
Wie funktioniert „Buy Now, Pay Later“ in Deutschland?
Käufer/innen wählen die Zahlungsart „Buy Now, Pay Later“ während des Bestellvorgangs aus und legen dabei fest, ob sie einmalig oder in Raten bezahlen möchten.
Einmalige Zahlung (Rechnungskauf)
Eine einmalige, meist zinsfreie Zahlung zu einem festgelegten, späteren Zeitpunkt entspricht einem Kauf auf Rechnung. Der wesentliche Unterschied im BNPL-Kontext ist, dass in diesem Fall meist ein Zahlungsdienstleister zwischen Händler/in und Käufer/in geschaltet ist. Dieser übernimmt die Abwicklung, Auszahlung sowie das Risiko bei Zahlungsausfällen. Die Händler/innen erhalten ihr Geld sofort vom Zahlungsdienstleister; die Käufer/innen müssen die Rechnung innerhalb einer festgelegten Frist von beispielsweise 14 oder 30 Tagen begleichen.
Zahlung in Raten (Ratenkauf)
Beim Ratenkauf wird der Kaufbetrag in gleichmäßige Teilzahlungen aufgeteilt. Diese werden meist monatlich von den Käuferinnen und Käufern beglichen. Üblich sind Zahlungszeiträume von drei bis 48 Monaten. Den Vertrag schließen die Käufer/innen dabei direkt mit dem Zahlungsdienstleister, der in der Regel Zinsen oder zusätzliche Gebühren berechnet.
Wie unterscheidet sich BNPL von Kartenzahlungen?
„Buy Now, Pay Later“ unterscheidet sich in mehreren Punkten von Zahlungen mit klassischen Kredit- oder Debitkarten
Zahlungszeitpunkt und Flexibilität
Bei BNPL können Käufer/innen entscheiden, ob sie den Betrag einmalig nach Lieferung begleichen oder über mehrere Monate in Raten zahlen möchten. Bei Kartenzahlungen wird der Betrag je nach Karte und Abrechnungsmodell sofort belastet oder im nächsten Abrechnungslauf fällig. BNPL bietet damit eine höhere Flexibilität für die Kundinnen und Kunden.
Risiko und Abwicklung für Händler
Händler/innen erhalten bei BNPL ihr Geld sofort vom Zahlungsdienstleister, selbst wenn die Kundinnen und Kunden die Zahlung aufschieben. Damit entfällt für die Händler/innen das Risiko eines Zahlungsausfalls. Bei Kartenzahlungen hängt die Auszahlung vom Kreditkartenanbieter ab und kann durch Rückbuchungen beeinträchtigt werden. Solche Rückbuchungen entstehen zum Beispiel bei beanstandeten Zahlungen oder Betrugsverdacht. Kartenzahlungen sind damit für Händler/innen mit einem höheren Risiko verbunden als „Buy Now, Pay Later“.
Kostenstruktur
Kartenanbieter erheben in der Regel feste Transaktionsgebühren für jeden Zahlungsvorgang. Bei BNPL-Modellen können die Gebühren in Abhängigkeit des gewählten Modells variieren. Da BNPL-Dienstleister das Risiko von Zahlungsausfällen tragen, liegen die Gebühren für Händler/innen in der Regel höher als bei Kartenzahlungen.
„Buy Now, Pay Later“ in Deutschland: Einfluss auf das Kaufverhalten
BNPL hat nicht nur Auswirkungen auf die Zahlungsabwicklung, sondern auch auf das Kaufverhalten von Kundinnen und Kunden.
Ausgaben und Produkte
Ein im April 2025 im Auftrag der BaFin durchgeführte Umfrage deutscher Verbraucher/innen zeigt, dass BNPL vor allem für kleinere bis mittlere Einkäufe genutzt wird.
- 46 % der Nutzer/innen geben durchschnittlich weniger als 100 € pro Monat aus
- 26 % zwischen 101 € und 200 €
- 17 % zwischen 201 € und 500 €
- 5 % mehr als 500 €
BNPL kommt jedoch für eine breite Produktpalette zum Einsatz. Besonders beliebt sind:
- Kleidung (55 %)
- Elektronik (43 %)
- Haushaltswaren (26 %)
- Möbel (20 %)
- Körperpflegeprodukte (21 %)
- medizinische Artikel (20 %)
- Reisen (19 %)
- Lebensmittel (17 %)
Beweggründe für die Nutzung
Die Motivation der Käufer/innen für „Buy Now, Pay Later“ variiert je nach Modell:
Rechnungskauf
Knapp ein Drittel der Befragten gab im Rahmen der BaFin-Umfrage an, den Rechnungskauf aufgrund der Möglichkeit des Zahlungsaufschubs zu nutzen. 16 % wollten einen Kauf tätigen, obwohl ihnen das Geld zum Kaufzeitpunkt nicht zur Verfügung stand. Für rund die Hälfte der BNPL-Nutzer/innen war die Bequemlichkeit der Hauptgrund für den Kauf auf Rechnung. 40 % wollten die Ware vor der Bezahlung begutachten beziehungsweise ausprobieren. Ein Drittel wählte die Zahlungsart aufgrund der als sicher empfundenen Abwicklung.Ratenkauf
39 % der Ratenzahler/innen nannten Bequemlichkeit als Hauptmotiv, 38 % schätzten die monatlich bezahlbaren Beträge, 31 % den Zahlungsaufschub. 29 % der Befragten nutzten den Ratenkauf, weil sie die Kaufsumme nicht auf einmal begleichen konnten.
Auswirkungen auf Händler
Für Händler/innen in Deutschland kann „Buy Now, Pay Later“ eine sinnvolle Ergänzung ihres Zahlungsangebots mit potenziell positiven Effekten sein. In einer 2024 veröffentlichten wirtschaftswissenschaftlichen Analyse zeigte sich, dass der Einsatz von BNPL die Verkäufe um rund 20 % erhöhen kann. Dies gilt insbesondere bei Kundengruppen mit geringerer Kreditwürdigkeit und bei Produkten, bei denen Händler/innen eine gewisse Marktmacht besitzen.
Zudem deuten Studien auf ein gesteigertes Kaufvolumen durch BNPL hin. Kundinnen und Kunden, die BNPL nutzen, geben im Durchschnitt 6,42 % mehr aus als solche, die mit klassischen Zahlungsmethoden bezahlen.
Welche finanziellen Auswirkungen hat BNPL für Händler?
Die Nutzung von „Buy Now, Pay Later“ hat direkten Einfluss auf den Cashflow der Händler/innen. BNPL-Dienstleister berechnen den Händlerinnen und Händlern für ihre Dienste Gebühren. Diese variieren je nach Anbieter und Modell zum Teil stark, weshalb sich deutsche Händler/innen vor Vertragsschluss umfassend über die Konditionen informieren sollten. Dabei gilt es auch, mögliche Zusatzkosten für Ratenzahlungen oder Serviceleistungen zu berücksichtigen.
Den Kosten gegenüber steht ein deutlich reduzierter Verwaltungsaufwand. BNPL-Dienstleister übernehmen für die Händler/innen je nach Modell große Teile der Abwicklung, inklusive Bonitätsprüfung, Mahnwesen und Forderungsmanagement. Händler/innen müssen sich somit meist nicht um offene Rechnungen kümmern. Dies vereinfacht interne Prozesse und spart Personalressourcen. Zusätzlich können Kosten für Buchhaltung, Inkasso, Rückerstattungen und Kundenservice deutlich sinken, da viele Standardvorgänge automatisiert über den Dienstleister laufen.
Ein weiterer Vorteil liegt in der sofortigen Auszahlung: Händler/innen erhalten ihr Geld direkt vom Zahlungsdienstleister. Diese Vorleistung stabilisiert die Liquidität, erleichtert die Finanzplanung und kann Engpässe vermeiden.
Welche Risiken hat BNPL für Händler?
„Buy Now, Pay Later“ bietet zwar viele Vorteile, birgt aber auch bestimmte Risiken, die Händler/innen in Deutschland berücksichtigen sollten.
- Abhängigkeit vom Zahlungsdienstleister: Da die gesamte Abwicklung über einen externen Dienstleister läuft, hängt der/die Händler/in stark von dessen Stabilität, Servicequalität und Zuverlässigkeit ab. Probleme oder Ausfälle können den Verkaufsprozess und Auszahlungen beeinflussen.
- Gebühren und Vertragsbedingungen: BNPL-Dienstleister berechnen für ihre Dienste oft höhere Gebühren, als für klassische Zahlungsmethoden anfallen. Unklare oder nachträglich geänderte Vertragsbedingungen können zudem die Rentabilität einzelner Transaktionen beeinträchtigen.
- Rückerstattungen und Streitfälle: Auch wenn das Ausfallrisiko in der Regel beim Dienstleister liegt, entstehen bei Rückerstattungen oder Kundenreklamationen administrativer Aufwand und potenzielle Verzögerungen in der Abwicklung.
- Imagerisiko: Unklare Vertragsbedingungen, zusätzliche Kosten oder Probleme bei Ratenzahlungen können zu unzufriedenen Kundinnen und Kunden führen und das Händlerimage belasten.
- Regulatorische Anforderungen: BNPL-Anbieter unterliegen in Deutschland strenger Regulierung, zum Beispiel durch die BaFin. Händler/innen müssen sicherstellen, dass ihre Verträge und Abläufe den rechtlichen Vorgaben entsprechen, um Haftungsrisiken zu vermeiden.
Regulatorische Anforderungen bei BNPL
„Buy Now, Pay Later“ unterliegt in Deutschland einer Reihe gesetzlicher Vorgaben, die Händler/innen beachten müssen. Die Einhaltung dieser Regeln ist entscheidend, um Haftungsrisiken zu vermeiden und ein unbelastetes Verhältnis zu Kundinnen und Kunden zu wahren.
Für elektronische Zahlungen im Online-Handel gelten die Vorgaben der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2). Diese erfordern unter anderem eine starke Kundenauthentifizierung sowie zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, um Betrug zu verhindern und den Zahlungsprozess abzusichern. Wenn Händler/innen die Dienste von BNPL-Anbietern in Anspruch nehmen, müssen sie sicherstellen, dass diese die gesetzlichen Vorgaben einhalten.
Gleiches gilt in Bezug auf die Verarbeitung personenbezogener Daten. Diese muss den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sowie des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG) entsprechen. Hierzu zählt insbesondere die sichere Übertragung und Speicherung sensibler Daten.
Zudem sind Händler/innen gemäß §§ 312 i und 312 j BGB verpflichtet, ihre Kundinnen und Kunden vor Vertragsabschluss umfassend über Preise, Kosten, Lieferbedingungen und Rückgaberechte zu informieren. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob die Verantwortlichkeit für die Zahlungsabwicklung bei einem BNPL-Dienstleister liegt. Das gesetzliche Widerrufsrecht beträgt auch in diesem Fall in der Regel 14 Tage und muss klar von Händlerseite kommuniziert werden.
So kann Stripe Sie bei BNPL unterstützen
Stripe Payments bietet eine flexible Lösung, mit der Händler/innen in Deutschland „Buy Now, Pay Later“-Optionen einfach in ihren Online-Shop integrieren können. Damit lassen sich verschiedene Zahlungsmodelle wie Rechnungskauf oder Ratenzahlung über einen einzigen Zahlungsablauf abwickeln – inklusive Auszahlung, Rückerstattungen und Reporting. Berechtigte Händler/innen können BNPL-Angebote sofort aktivieren, ohne langwierige Anträge, Onboarding oder zusätzliche Risikoprüfungen.
Einfache Integration: Mit Stripe können Händler/innen verschiedene BNPL-Anbieter in wenigen Minuten über eine einzige Schnittstelle einbinden. Das reduziert Entwicklungsaufwand und ermöglicht eine schnelle Umsetzung. Stripe kann passende Zahlungsarten je nach Region und Kontext priorisieren, um den Bezahlvorgang zu verbessern.
Steigerung der Konversionsrate: Durch die Anzeige von BNPL-Optionen direkt auf Produkt-, Warenkorb- oder Bezahlseiten können Kundinnen und Kunden die passenden Zahlungsarten sofort sehen, was die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses erhöht.
Zentrale Verwaltung: Alle Zahlungen, unabhängig von der gewählten Zahlungsart, werden im Stripe-Dashboard übersichtlich dargestellt. Dies vereinfacht das Monitoring, die Finanzplanung und die Abwicklung von Rückerstattungen.
FAQ
Im Folgenden finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um „Buy Now, Pay Later“ in Deutschland.
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.