Die zunehmende Digitalisierung führt zu einer höheren Nachfrage nach schnellen, sicheren Identifikationsprozessen. Daher benötigen Unternehmen geeignete Verfahren, um die Identität von Kundinnen und Kunden zuverlässig zu überprüfen. Eine in Deutschland etablierte Methode ist die Videoidentifikation oder Video-ID.
In diesem Artikel untersuchen wir, was Video-ID ist, wie es funktioniert und warum Unternehmen in Deutschland die Identität von Kundinnen und Kunden überprüfen müssen. Wir erklären außerdem, welche Compliance-Aspekte Unternehmen beachten müssen und welche Alternativen es zur Video-ID gibt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Video-ID ist für Unternehmen ein effizienter Weg, die Identität von Kundinnen und Kunden digital, aus der Ferne und sicher zu überprüfen.
- Der Prozess umfasst die Prüfung von Ausweisdokumenten (ID) und deren Abgleich mit der Person, um deren Identität nachzuweisen.
- Datenschutz, technische Sicherheit und rechtliche Vorschriften sind wichtige Anforderungen, die beim Einsatz von Video-ID erfüllt werden müssen.
- Zu den Alternativen zur Video-ID gehören die Post-Identifikation (POSTIDENT), die Bank-Identifikation (Bank-ID) und die elektronische Identifikation (eID).
Was ist Video-ID?
Video-ID ist eine digitale Identifikationsmethode, mit der Unternehmen die Identität von Kundinnen und Kunden aus der Ferne überprüfen können. Die Identifikation erfolgt über einen verschlüsselten Video-Link zwischen der Kundschaft und geschultem Personal. Das Personal überprüft, ob das Ausweisdokument echt ist und ob die Person mit dem Foto auf ihrem Ausweis übereinstimmt. Dies ist eine zuverlässige Möglichkeit, die Identität von Kundinnen und Kunden zu bestätigen, ohne dass ein Termin persönlich erforderlich ist.
Video-ID wurde entwickelt, um die gesetzlich vorgeschriebene Identitätsüberprüfung im digitalen Raum sicher und effizient umzusetzen. Ursprünglich war die Methode vor allem im Online-Banking als Alternative zur Vorlage eines Ausweises persönlich in einer Filiale am weitesten verbreitet. Heute nutzen jedoch viele Unternehmen aus der Finanz-, Versicherungs- und Telekommunikationsbranche sowie anderen regulierten Sektoren Video-ID, um ihre rechtlichen Anforderungen zur Identitätsüberprüfung von Kundinnen und Kunden zu erfüllen.
Für Unternehmen in Deutschland bietet Video-ID zahlreiche Vorteile. Die digitale Überprüfung der Identität von Kundinnen und Kunden beschleunigt das Onboarding und ermöglicht es ihnen, Verträge schnell zu unterzeichnen. Gleichzeitig erschwert die Überprüfung von Ausweisdokumenten und physischen Merkmalen Kriminellen den Betrug – einschließlich Identitätsdiebstahl – und hilft Unternehmen, Vorschriften zu erfüllen. Auch für Kundinnen und Kunden ergeben sich Vorteile, da sie ihre Identität aus der Ferne und außerhalb der Geschäftszeiten des Unternehmens überprüfen lassen können. Dank ihrer Skalierbarkeit eignet sich Video-ID sowohl für kleine Unternehmen als auch für größere Organisationen, die viele Kundinnen und Kunden überprüfen müssen.
Warum ist die Identitätsüberprüfung in Deutschland notwendig?
Der Zweck der Identitätsüberprüfung besteht darin, die Identität von Vertragspartnerinnen und -partnern mit Sicherheit festzustellen und Betrug zu verhindern. In vielen Branchen ist sie eine rechtliche Anforderung – beispielsweise wenn Unternehmen Geschäftsbeziehungen anbahnen oder Transaktionen durchführen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder Identitätsbetrug besteht. Die Vorschriften sollen die Integrität des Wirtschafts- und Finanzsystems schützen und sicherstellen, dass Geschäfte transparent abgewickelt werden.
Wichtige Verordnung: Deutsches Geldwäschegesetz
Die wichtigste Verordnung zur Identifizierung von Kundinnen und Kunden in Deutschland ist das Geldwäschegesetz (GwG). Im Rahmen der Due Diligence-Anforderungen nach § 10 GwG müssen sogenannte „Verpflichtete“ die Identität ihrer Kundinnen und Kunden überprüfen, bevor sie eine Geschäftsbeziehung eingehen oder bestimmte Transaktionen durchführen. Zu den Verpflichteten gehören Kreditinstitute, Finanzdienstleister, Versicherungsunternehmen und andere regulierte Unternehmen.
Die Identitätsüberprüfung ist einer der wichtigsten Bestandteile der Know Your Customer (KYC)-Prüfungen. Zweck der KYC-Prüfungen ist es, die Identität der Kundinnen und Kunden eines Unternehmens eindeutig festzustellen, Risiken zu bewerten und gesetzliche Anforderungen zur Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zu erfüllen. § 11 GwG legt fest, welche Informationen erhoben werden müssen, um die Identität von Kundinnen und Kunden zu überprüfen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Deutschland hat zudem ein Rundschreiben herausgegeben, das die spezifischen Anforderungen an Video-ID-Prozesse detailliert beschreibt. Dazu gehören technische, organisatorische und sicherheitsrelevante Mindeststandards für Video-ID.
EU-Verordnungen zur elektronischen Identifikation
Unternehmen in Deutschland müssen sowohl nationale Gesetze als auch EU-Verordnungen beachten. Die Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste (eIDAS) schafft einen einheitlichen rechtlichen Rahmen für digitale Identifikationsmittel und Vertrauensdienste innerhalb der EU. Sie regelt die grenzüberschreitende Anerkennung elektronischer IDs und die Nutzung qualifizierter elektronischer Signaturen. Das bedeutet, dass Unternehmen, die Video-ID nutzen, ihre Prozesse zur Identitätsüberprüfung so gestalten müssen, dass sie sowohl die Anforderungen des GwG als auch der relevanten EU-Bestimmungen erfüllen. Dies reduziert Compliance-Risiken und garantiert, dass digitale Geschäftsprozesse rechtskonform sind.
Wie funktioniert Video-ID?
Video-ID folgt einem standardisierten Prozess, der die Identität einer Person digital und in voller Übereinstimmung mit dem Gesetz überprüft. Obwohl die genauen Schritte von Anbieter zu Anbieter leicht variieren können, umfasst der Prozess in der Regel Folgendes:
Identifikation starten: Die Kundin oder der Kunde beginnt den Identifikationsprozess über einen Link oder direkt in einer vom Unternehmen bereitgestellten App. Dies erfordert ein internetfähiges Endgerät mit Kamera und Mikrofon sowie eine stabile Internetverbindung.
Video-Link herstellen: Als Nächstes wird ein verschlüsselter Video-Link zu geschultem Personal aufgebaut. Häufig muss dieses Personal die Zustimmung der Kundin oder des Kunden zur Verarbeitung der Daten einholen und bestätigen, dass die technischen Anforderungen erfüllt sind, bevor die Überprüfung beginnen kann.
Ausweisdokument vorlegen: Die Kundin oder der Kunde hält dann ein gültiges Ausweisdokument, z. B. einen behördlich ausgestellten Ausweis oder Reisepass, in die Kamera. Das Personal erfasst die erforderlichen Identitätsdaten und überprüft, ob das Dokument die formalen Anforderungen erfüllt.
Echtheit überprüfen: Das Ausweisdokument wird auf Sicherheitsmerkmale und Anzeichen von Manipulation überprüft. Dies kann es erfordern, das Dokument aus verschiedenen Winkeln zu betrachten, damit Hologramme, Kippbilder oder andere Sicherheitsmerkmale sichtbar werden.
Gesichtsabgleich durchführen: Das Personal vergleicht das Gesicht der Kundin oder des Kunden mit dem Foto auf dem Ausweisdokument. Möglicherweise müssen auch ein paar kurze Fragen gestellt oder bestimmte Bewegungen angefordert werden, um sicherzustellen, dass die Person auf dem Dokument mit der Person im Videoanruf übereinstimmt.
Identität bestätigen: Sobald die Überprüfung abgeschlossen ist, wird die Identität der Kundin oder des Kunden bestätigt und der Identifikationsprozess dokumentiert. Die Kundin oder der Kunde kann dann auf das jeweilige Konto zugreifen, einen Vertrag abschließen oder mit der entsprechenden Transaktion fortfahren.
Welche Alternativen gibt es zur Video-ID in Deutschland?
In Deutschland können Unternehmen aus einer Vielzahl von Methoden zur Identitätsüberprüfung wählen, nicht nur Video-ID. Je nach rechtlichen Anforderungen, dem gewünschten Sicherheitsniveau und den Erwartungen der Kundinnen und Kunden an den digitalen Onboarding-Prozess eignen sich für verschiedene Unternehmen unterschiedliche Methoden.
POSTIDENT
POSTIDENT der Deutschen Post ist eine der bekanntesten Identifikationsmethoden in Deutschland. Kundinnen und Kunden können ihre Identität entweder digital oder in einer Filiale der Deutschen Post überprüfen lassen. Bei der herkömmlichen Identifikation in der Filiale überprüfen die Mitarbeitenden der Deutschen Post die Identität der Kundinnen und Kunden anhand eines gültigen Ausweisdokuments und übermitteln die Identifikationsdaten dann an das entsprechende Unternehmen.
Bank-ID
Bei der Bank-ID wird die Identität einer Kundin oder eines Kunden über ein bestehendes Online-Banking-Konto überprüft. Die Kundinnen und Kunden melden sich bei ihrer Bank an und stimmen zu, bestimmte Identitätsdaten an das anfragende Unternehmen zu übermitteln. Da die Bank der Kundschaft deren Identität im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen KYC-Prüfungen bereits überprüft hat, kann diese Art der Identifikation in einigen Fällen für andere Geschäftsprozesse genutzt werden.
Elektronische ID (eID)
Behördlich ausgestellte Ausweise in Deutschland verfügen über eine elektronische Identifikationsfunktion, mit der Inhaberinnen und Inhaber ihre Identität digital überprüfen können. Nutzerinnen und Nutzer authentifizieren sich, indem sie die eID-Funktion auf ihrem Ausweis aktivieren und ihre persönliche Identifikationsnummer (PIN) über ein geeignetes Endgerät oder Smartphone mit Near Field Communication (NFC) bestätigen. Diese Methode bietet ein hohes Maß an Sicherheit und basiert auf den Bestimmungen des deutschen Personalausweisgesetzes und der eIDAS-Verordnung. Sie funktioniert jedoch nur, wenn die eID-Funktionen aktiviert wurden.
Identifikation persönlich
In einigen Branchen wird die Identität von Kundinnen und Kunden noch immer persönlich überprüft, beispielsweise in einer Filiale oder einem Büro. Die Mitarbeitenden überprüfen das Ausweisdokument der Kundin oder des Kunden physisch und vergleichen das Foto mit der Person. Diese Methode bietet ein hohes Maß an Kontrolle, ist aber auch mit einem höheren organisatorischen Aufwand verbunden.
Welche Sicherheits- und Compliance-Aspekte müssen Unternehmen bei der Implementierung von Video-ID beachten?
Sicherheits- und Compliance-Anforderungen spielen bei Video-ID eine Schlüsselrolle. Unternehmen in Deutschland müssen nicht nur die Bestimmungen des GwG und die von der BaFin definierten Mindeststandards für Video-ID-Prozesse, sondern auch technische und organisatorische Vorschriften berücksichtigen. Ziel ist es, die Integrität des Identifikationsprozesses zu gewährleisten und sensible Daten zu schützen.
Datenschutz und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
Unternehmen in Deutschland sind verpflichtet, personenbezogene Daten gemäß der DSGVO zu verarbeiten. Sie dürfen nur Informationen erheben, die für die Identitätsüberprüfung absolut notwendig sind. Betroffene Personen müssen außerdem transparente Informationen über die Verarbeitung ihrer Daten erhalten, insbesondere im Hinblick auf den Zweck der Verarbeitung, die Aufbewahrungsfrist und ihre Rechte als betroffene Person.
Schutz personenbezogener Daten
Ebenso wichtig ist, dass der Prozess technisch sicher ist. Die Kommunikation zwischen der Kundschaft und dem Identifikationsdienst muss über verschlüsselte Verbindungen erfolgen. Dadurch wird gewährleistet, dass sensible Daten bei der Übertragung vor unbefugtem Zugriff geschützt sind. Wenn Daten gespeichert werden sollen, müssen geeignete Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, wie z. B. geschützte Server, Zugangsbeschränkungen und ein rollenbasiertes Rechtesystem. Dies verringert das Risiko von Datenverlust, Manipulation oder unbefugter Offenlegung.
Kontinuierliche Sicherheitsmaßnahmen
Unternehmen müssen zudem ihre Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüfen und an neue technologische und regulatorische Entwicklungen anpassen. Kontinuierliche Schulungen der Mitarbeitenden, regelmäßige Sicherheitsaudits und dokumentierte Compliance-Prozesse tragen dazu bei, dass die Qualität des Identifikationsprozesses nicht schwankt. Die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen stärkt nicht nur die Compliance, sondern verbessert auch das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Identifikationsprozesse eines Unternehmens.
So unterstützt Stripe Identity Ihre Identitätsprüfungen
Stripe Identity ermöglicht es Unternehmen, Identitätsdokumente aus zahlreichen Ländern zu überprüfen. Unternehmen können verschiedene Arten von Identitätsdaten erheben und abwickeln, einschließlich Bilder von Ausweisdokumenten und Selfies für den biometrischen Abgleich. Relevante Informationen, wie der Name oder das Geburtsdatum von Nutzerinnen und Nutzern, können ebenfalls automatisch aus Dokumenten extrahiert und für die Identitätsprüfung verwendet werden. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung unterstützt Nutzerinnen und Nutzer bei der Dokumentenerfassung und trägt dazu bei, den Verifizierungsprozess so unkompliziert wie möglich zu gestalten.
Identity nutzt maschinelles Lernen (ML), um Fälschungen und Manipulationen zu erkennen. Dadurch können Ausweisdokumente automatisch auf ihre Echtheit geprüft und potenzielle betrügerische Aktivitäten frühzeitig erkannt werden. Dies hilft Unternehmen, einen sicheren und nutzerfreundlichen Identitätsüberprüfungsprozess anzubieten.
FAQs zu Video-Ident
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.