Die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in Deutschland stützt sich laut dem KfW-Mittelstandspanel zu einem Drittel auf Bankkredite. Im Jahr 2024 nahmen KMU bei Banken und Sparkassen Investitionskredite in Höhe von 81 Milliarden € auf. Betriebsmittelkredite sind in dieser Summe nicht enthalten. Neben dieser klassischen Finanzierung stehen kleinen und mittleren Unternehmen jedoch verschiedene weitere Finanzierungsoptionen zur Verfügung.
In diesem Artikel erfahren Sie, was eine KMU-Finanzierung ist und für welche konkreten Zwecke Unternehmen finanzielle Mittel benötigen. Zudem erläutern wir, wie sich alternative Finanzierungsarten von klassischen Bankkrediten unterscheiden, welche Vor- und Nachteile öffentliche Förderdarlehen bieten und wie eine umsatzbasierte Finanzierung funktioniert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- KMU benötigen Finanzierungen vor allem für Wachstum, Investitionen, Digitalisierung und die Sicherung ihrer Liquidität.
- Neben klassischen Bankkrediten stehen Unternehmen in Deutschland verschiedene alternative Finanzierungsmodelle zur Verfügung.
- Öffentliche Förderdarlehen bieten häufig günstige Konditionen, sind aber an bestimmte Bedingungen gebunden.
- Umsatzbasierte Finanzierungen ermöglichen flexible Rückzahlungen, die sich an der tatsächlichen Geschäftsentwicklung orientieren.
- Die passende KMU-Finanzierung hängt vom individuellen Finanzierungsbedarf, den Unternehmenszielen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Was ist KMU-Finanzierung?
KMU-Finanzierung bezeichnet die Bereitstellung finanzieller Mittel für kleine und mittlere Unternehmen. Sie umfasst alle Maßnahmen, mit denen Unternehmen ihre Finanzierung sichern und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten finanzieren. Dazu gehören sowohl die Beschaffung von Kapital als auch die damit verbundenen finanziellen Strukturen und Entscheidungen.
Die KMU-Finanzierung unterscheidet sich von der Finanzierung großer Unternehmen vor allem durch die spezifischen Rahmenbedingungen kleiner und mittlerer Betriebe. Dazu zählen unter anderem eine geringere Unternehmensgröße und häufig begrenzte finanzielle Ressourcen. Hinzu kommt meist eine stärkere Bedeutung individueller Unternehmensfaktoren wie der Eigentümerstruktur, dem Geschäftsmodell oder der strategischen Ausrichtung des Unternehmens.
Zudem muss die Finanzierung von KMU von der Start-up-Finanzierung abgegrenzt werden. Letztere ist auf die Gründung und den Aufbau junger Unternehmen ausgerichtet. Die KMU-Finanzierung bezieht sich hingegen auf bereits bestehende kleine und mittlere Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen.
Wofür benötigen deutsche KMU finanzielle Mittel?
KMU benötigen finanzielle Mittel aus unterschiedlichen Gründen. Die wichtigsten Finanzierungsanlässe finden Sie nachfolgend im Überblick:
- Investitionen in Wachstum und Expansion
Ein häufiger Finanzierungsanlass für KMU ist die Finanzierung von Wachstumsvorhaben. Dazu zählen der Ausbau von Produktionskapazitäten, die Erschließung neuer Märkte, die Erweiterung des Produkt- oder Leistungsangebots sowie der Aufbau zusätzlicher Standorte. Solche Vorhaben erfordern häufig größere finanzielle Mittel, die nicht vollständig aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden können. - Anschaffung von Maschinen, Anlagen und Betriebsmitteln
Viele KMU benötigen Kapital für Sachanlagen und Betriebsmittel. Die Beschaffung von Maschinen, Fahrzeugen, technischer Ausstattung oder betrieblicher Infrastruktur kann notwendig sein, um den Betrieb auf- oder auszubauen. - Digitalisierung und technologische Weiterentwicklung
Die zunehmende Digitalisierung stellt für viele KMU einen weiteren Finanzierungsanlass dar. Finanzielle Mittel werden unter anderem für die Verbesserung der IT-Infrastruktur, die Einführung neuer Softwarelösungen oder die Automatisierung von Prozessen genutzt. - Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs
Neben langfristigen Investitionen benötigen KMU häufig Kapital zur Sicherstellung des operativen Geschäfts. Auf diese Weise können Warenbestände, Personalkosten, Mieten oder laufende Lieferantenrechnungen finanziert werden. Besonders bei schwankenden Umsätzen oder saisonalen Geschäftsmodellen kann ein ausreichender Finanzierungsspielraum entscheidend sein. - Überbrückung von Liquiditätsengpässen
Kurzfristiger Finanzierungsbedarf entsteht zudem, wenn Unternehmen vorübergehend nicht über ausreichende liquide Mittel verfügen. Ursachen können verspätete Kundenzahlungen, unerwartete Kostensteigerungen oder wirtschaftliche Schwankungen sein. Finanzierungen dienen in solchen Fällen dazu, die Zahlungsfähigkeit sicherzustellen und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Wie unterscheiden sich alternative Finanzierungsarten von klassischen Bankkrediten?
Klassische Bank- beziehungsweise Firmenkredite gehören nach wie vor zu den wichtigsten Finanzierungsformen für deutsche KMU. Sie bieten Unternehmen einen etablierten Zugang zu Kapital. Gleichzeitig stehen KMU heute verschiedene weitere Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung, die je nach Unternehmenssituation unterschiedliche Vorteile bieten können. Die wesentlichen Unterschiede liegen vor allem in den Zugangsvoraussetzungen, der Flexibilität sowie den Rückzahlungsbedingungen.
Bankkredite bieten planbare Finanzierung
Ein wesentlicher Vorteil von Bankkrediten liegt in ihrer hohen Planbarkeit. Unternehmen erhalten einen festen Kreditbetrag und zahlen diesen über einen vereinbarten Zeitraum mit festen oder variablen Zinsen zurück. Dadurch können KMU größere Investitionen langfristig planen und ihre Finanzierungskosten gut kalkulieren.
Zudem sind Bankkredite eine etablierte Finanzierungsform, die vielen Unternehmen und Kreditgebern vertraut ist. Gerade bei bestehenden Unternehmen mit stabiler Geschäftsentwicklung kann der Zugang zu Bankfinanzierungen vergleichsweise unkompliziert sein.
Anforderungen können den Zugang erschweren
Dem stehen jedoch bestimmte Voraussetzungen gegenüber, die für kleinere Unternehmen eine Herausforderung darstellen können. Banken prüfen vor einer Kreditvergabe die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, die Liquidität sowie die Rückzahlungsfähigkeit. Häufig werden zudem Sicherheiten oder eine persönliche Haftung der Eigentümer/innen verlangt.
Für Unternehmen mit schwankenden Umsätzen, begrenzten Sicherheiten oder einem hohen Finanzierungsbedarf im Verhältnis zur Unternehmensgröße kann der Zugang zu klassischen Bankkrediten dadurch schwierig sein.
Alternative Finanzierungen bieten mehr Flexibilität
Für eine Finanzierung von KMU gibt es zahlreiche Alternativen zum Bankkredit. Diese können für Unternehmen in vielen Fällen von Vorteil sein, nicht nur als Ausweichoption, wenn ein Bankkredit verwehrt wird.
Alternative Finanzierungen unterscheiden sich häufig nicht nur durch schlankere Zugangsvoraussetzungen, sondern auch durch flexiblere Rückzahlungsmodelle. Während Bankkredite in der Regel feste Tilgungspläne vorsehen, sind andere Finanzierungsformen stärker an den tatsächlichen Geschäftserfolg oder die verfügbaren Mittel des Unternehmens angepasst. Besonders Unternehmen, die schnell Kapital benötigen oder deren Finanzierungsbedarf stark von der aktuellen Geschäftsentwicklung abhängt, können von alternativen Ansätzen profitieren.
Diese Flexibilität kann ein Vorteil sein, geht jedoch häufig mit anderen Kostenstrukturen oder einer geringeren Planbarkeit einher. Unternehmen sollten daher nicht nur die Verfügbarkeit von Kapital, sondern auch die langfristigen Auswirkungen der jeweiligen Finanzierung berücksichtigen.
Welche Vor- und Nachteile bieten öffentliche Förderdarlehen?
Neben klassischen Bankkrediten können KMU auch auf öffentliche Förderdarlehen zurückgreifen. Diese werden beispielsweise über die KfW, Landesförderbanken oder europäische Förderinstitutionen angeboten. Wie jede Finanzierungsform sind jedoch auch Förderdarlehen mit spezifischen Vor- und Nachteilen verbunden.
Günstige Konditionen und lange Laufzeiten
Ein Vorteil öffentlicher Förderdarlehen sind die häufig günstigeren Finanzierungskonditionen. Viele KfW-Förderungen sind mit niedrigen Zinssätzen, langen Laufzeiten oder tilgungsfreien Anlaufphasen verbunden. Dadurch können Unternehmen ihre finanzielle Belastung reduzieren und größere Vorhaben mit einem langfristigen Planungshorizont umsetzen.
Förderdarlehen können besonders für Investitionen in Wachstum, Digitalisierung oder nachhaltige Entwicklung eine attraktive Option darstellen. Auch junge Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen von Förderprogrammen profitieren, zum Beispiel in Form eines Gründerkredits zur Finanzierung der Unternehmensgründung oder der ersten Entwicklungsphase.
Begrenzte Flexibilität und hoher Aufwand
Förderdarlehen stehen nicht allen Unternehmen jederzeit zur Verfügung. Sie sind in der Regel an konkrete Förderzwecke, Projekte oder Voraussetzungen gebunden. Geförderte Unternehmen können daher nicht immer frei über die Finanzmittel verfügen, sondern müssen die vorgesehenen Verwendungszwecke einhalten.
Zudem sind öffentliche Förderdarlehen meist mit einem hohen administrativen Aufwand bei der Antragsstellung verbunden. Die Unternehmen müssen ihr Vorhaben detailliert beschreiben und dokumentieren. Die KfW verlangt in vielen Fällen einen umfassenden Businessplan sowie zusätzliche Unterlagen und Nachweise. Dies können Unternehmenskennzahlen, Finanz- und Liquiditätsplanungen, Informationen zur Zielgruppe oder eine Wettbewerberanalyse sein. Die Erstellung beziehungsweise Zusammenstellung dieser Unterlagen erfordert erhebliche zeitliche Ressourcen und kann für kleinere Unternehmen eine spürbare Belastung darstellen.
Was ist eine umsatzbasierte Finanzierung?
Eine flexible Alternative zur Finanzierung von KMU ist die sogenannte umsatzbasierte Finanzierung. Bei dieser erhalten Unternehmen Kapital und zahlen dieses anschließend über einen vereinbarten Anteil ihrer zukünftigen Umsätze zurück. Die Höhe der Rückzahlungen richtet sich dabei nach der tatsächlichen Geschäftsentwicklung: Steigen die Umsätze, fallen auch die Rückzahlungen höher aus. Bei geringeren Einnahmen reduzieren sich die Rückzahlungen.
Anders als bei klassischen Krediten entstehen somit keine festen Zahlungsverpflichtungen, die unabhängig von der Umsatzentwicklung erfüllt werden müssen. Dadurch können Unternehmen ihre Rückzahlungen besser an ihre tatsächliche finanzielle Situation anpassen und ihre Liquidität flexibel steuern.
Darüber hinaus punktet die umsatzbasierte Finanzierung mit einem einfachen Zugang. Umfangreiche Antragsprozesse, Prüfungen und Nachweise sind meist nicht erforderlich. Dadurch erhalten KMU das benötigte Kapital deutlich schneller, als dies zum Beispiel bei öffentlichen Förderdarlehen der Fall ist.
Für Unternehmen, die weder ein öffentliches Darlehen noch einen Bankkredit erhalten, ist die umsatzbasierte Finanzierung eine sinnvolle Option. Denn häufig steht dabei weniger die Bewertung vorhandener Vermögenswerte im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit des Unternehmens, zukünftige Umsätze zu erzielen.
Für welche Unternehmen eignet sich eine umsatzbasierte Finanzierung?
Eine umsatzbasierte Finanzierung kann insbesondere für Unternehmen von Vorteil sein, deren Einnahmen gut messbar und planbar sind, aber dennoch Schwankungen unterliegen. Dazu zählen Unternehmen mit saisonalen Umsätzen oder stark wachsender Nachfrage.
Auch für Gründer/innen sowie wachsende Unternehmen kann diese Finanzierungsform interessant sein. Dies gilt umso mehr, wenn klassische Finanzierungsmöglichkeiten aufgrund fehlender Sicherheiten oder einer kurzen Unternehmenshistorie nicht optimal passen. Für viele KMU-Finanzierungen stellt die umsatzbasierte Finanzierung daher eine passende Ergänzung zu bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten dar.
Wie wählen KMU das passende Finanzierungsmodell?
Die Wahl der passenden Finanzierung hängt von verschiedenen Faktoren ab und sollte immer an der individuellen Situation des Unternehmens ausgerichtet werden. Entscheidend sind unter anderem der konkrete Finanzierungsanlass, die benötigte Kapitalhöhe, die gewünschte Geschwindigkeit der Finanzierung sowie die wirtschaftliche Ausgangslage. Die Finanzierung von KMU erfordert daher eine sorgfältige Prüfung der verfügbaren Optionen. Ein kurzfristiger Liquiditätsbedarf erfordert beispielsweise eine andere Lösung als eine langfristig geplante Investition in Wachstum oder Digitalisierung.
Darüber hinaus sollten Unternehmen die unterschiedlichen Auswirkungen der Finanzierungsformen berücksichtigen. Neben den Kosten spielen auch Faktoren wie Rückzahlungsbedingungen, Flexibilität, Planbarkeit und der erforderliche administrative Aufwand eine wichtige Rolle. Während einige KMU-Finanzierungen eine hohe Planungssicherheit und feste Strukturen bieten, ermöglichen andere eine stärkere Anpassung an die Geschäftsentwicklung.
Eine fundierte Finanzierungsentscheidung entsteht daher durch die Abwägung der eigenen Ziele und Rahmenbedingungen. KMU sollten prüfen, welche Finanzierung am besten zum geplanten Vorhaben, zur aktuellen Unternehmensphase und zur zukünftigen Entwicklung passt.
So kann Stripe Capital Sie unterstützen
Stripe Capital bietet umsatzbasierte Finanzierungslösungen an, damit Ihr Unternehmen Zugang zu Geldern erhält, mit denen es weiter wachsen kann.
Capital kann Sie in folgenden Bereichen unterstützen:
- Zugang zu Wachstumskapital beschleunigen: Erhalten Sie in wenigen Minuten einen Kredit oder einen Händlervorschuss – ohne die Anträge und Sicherheiten, die bei herkömmlichen Bankkrediten erforderlich sind.
- Finanzierung an Ihren Umsatz anpassen: Mit dem umsatzbasierten Ansatz von Capital zahlen Sie einen festen Prozentsatz Ihres täglichen Umsatzes, sodass die Zahlungen entsprechend Ihrer Unternehmensleistung skaliert werden. Wenn der Betrag, den Sie durch Ihren Umsatz zahlen, nicht dem Mindestbetrag entspricht, der in jedem Abrechnungszeitraum fällig wird, bucht Capital den Restbetrag am Ende des Zeitraums automatisch von Ihrem Konto ab.
- Mit Zuversicht expandieren: Finanzieren Sie Wachstumsinitiativen wie Marketingkampagnen, Neueinstellungen, Lagererweiterungen und mehr, ohne Ihr Eigenkapital oder persönliches Vermögen anzugreifen.
- Von der Expertise von Stripe profitieren: Capital bietet individuelle Finanzierungslösungen, die auf dem fundierten Fachwissen und den Zahlungsdaten von Stripe basieren.
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Häufige Fragen zur KMU-Finanzierung
Der Inhalt dieses Artikels dient nur zu allgemeinen Informations- und Bildungszwecken und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung interpretiert werden. Stripe übernimmt keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit, Angemessenheit oder Aktualität der Informationen in diesem Artikel. Sie sollten den Rat eines in Ihrem steuerlichen Zuständigkeitsbereich zugelassenen kompetenten Rechtsbeistands oder von einer Steuerberatungsstelle einholen und sich hinsichtlich Ihrer speziellen Situation beraten lassen.