Verkaufssteuer in den USA und der steuerliche Anknüpfungspunkt

Einführung

Online-Unternehmen verkaufen heute in allen US-Bundesstaaten – und nicht nur dort. So sind mehr als 80 % aller Start-ups, die Stripe nutzen, in über 20 US-Bundesstaaten und Ländern im Verkauf aktiv. Und obwohl es einfacher denn je ist, seine Kund/innen online zu erreichen, sorgt eine derartige geografische Präsenz für zusätzliche Komplexität.

Ein Beispiel dafür ist die US-Verkaufssteuer (sales tax). Denn wenn man Produkte oder Dienstleistungen in den USA verkauft, muss man die Steuervorschriften derjenigen US-Bundesstaaten einhalten, in denen man die dort geltenden Meldeschwellen überschreitet. Diese Meldeschwellen sowie die Steuervorschriften und Steuersätze unterscheiden sich je nach Bundesstaat und Produkt. Und je mehr Produkte man anbietet und je mehr Märkte man bedient, desto schwieriger gestaltet sich somit die Steuerfrage.

Dieser Leitfaden richtet sich an Unternehmen, die Produkte oder Dienstleistungen in den USA verkaufen, und behandelt die Grundlagen des steuerlichen Anknüpfungspunktes (economic nexus). Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie die Überschreitung geltender Registrierungsschwellen erkennen, den korrekten Steuersatz je nach Verkaufsgegenstand und Bestimmungsort ermitteln sowie Steuern anmelden und abführen. Außerdem erfahren Sie, wie Sie Stripe Tax bei der Einhaltung geltender Steuervorschriften unterstützt.

Weitere Informationen zum Thema Steuern bei Verkäufen in europäische Länder finden Sie in unserem Leitfaden zu EU-Mehrwertsteuer und OSS-Verfahren.

Der steuerliche Anknüpfungspunkt einfach erklärt

Der Begriff des economic nexus bezeichnet eine geschäftliche Tätigkeit in einem US-Bundesstaat, durch die ein Verkäufer aus einem anderen Bundesstaat zur Berechnung von Verkaufssteuern verpflichtet wird, sobald eine bestimmte Anzahl an Geschäftsvorgängen oder Verkäufen überschritten wird. In den USA ist die Verkaufssteuer vorrangig Angelegenheit der Bundesstaaten und wird in jedem Bundesstaat unterschiedlich gehandhabt. Vor dem Aufkommen des Internets war die Ermittlung des steuerlichen Anknüpfungspunktes an einem bestimmten Ort relativ unkompliziert. Wer ein Geschäft, Büro, Lager, Personal oder Messeauftritte in einem bestimmten Bundesstaat unterhielt, musste dort auch Verkaufssteuern erheben.

So war es, bis der Onlinehandel an Fahrt gewann. Doch dann konnten sich Onlinehändler Vorteile gegenüber den Unternehmen vor Ort verschaffen, weil sie keine Verkaufssteuer einbehalten und abführen mussten. Außerdem entgingen den US-Bundesstaaten auf diese Weise bis zu 33 Mrd. USD an steuerpflichtigen Einkünften.

Im Jahr 2018 fällte der oberste Gerichtshof der USA in dem Präzedenzfall South Dakota vs. Wayfair ein Urteil dazu. Seitdem können US-Bundesstaaten Unternehmen zur Entrichtung von Verkaufssteuern verpflichten, selbst wenn diese auf ihrem Hoheitsgebiet keinerlei Ladengeschäft oder Verkaufsvertretung unterhalten. Denn nun reicht eine „wirtschaftliche“ Ansässigkeit bzw. eine bestimmte Anzahl an Geschäftsvorgängen oder Verkäufen aus, um den Steuertatbestand einer wirtschaftlichen Ansässigkeit im betreffenden Bundesstaat zu erfüllen. Und natürlich sind Sie auch weiterhin dazu verpflichtet, sich steuerlich in allen Bundesstaaten anzumelden, in denen Sie eine physische Präsenz unterhalten.

Die Bedeutung der Economic-Nexus-Gesetze

Unternehmen müssen sich über ihren steuerlichen Anknüpfungspunkt und die daraus entstehende Steuerschuld im Klaren sein, um Steuernachzahlungen, Bußgelder und Säumniszuschläge zu vermeiden. Sie sind verpflichtet, in allen US-Bundesstaaten Steuererklärungen abzugeben, in denen Sie zur Steuererhebung angemeldet sind – selbst wenn im fraglichen Zeitraum keinerlei Verkaufssteuerverbindlichkeiten aufgelaufen ist.

Wenn Sie die vorgeschriebene Berechnung von Verkaufssteuern unterlassen, müssen Sie die Steuern zuzüglich Zinsen und Bußgeldern – die sich auf durchschnittlich 30 % des geschuldeten Steuerbetrags belaufen – aus eigener Tasche nachzahlen.

So erfüllen Sie die geltenden Steuervorschriften

Das Modell des Economic Nexus zieht einen mehrstufigen Prozess nach sich, der sich nach dem genauen Geschäftssitz, der Ansässigkeit Ihrer Kundschaft sowie Ihrem Umsatzvolumen und den angebotenen Produkten richtet. In drei Schritten können Unternehmen die US-Steuervorschriften erfüllen:

1. Ermittlung des steuerlichen Anknüpfungspunktes

Stand Mai 2021 gelten mit Ausnahme von Missouri in allen US-Bundesstaaten Economic-Nexus-Gesetze in unterschiedlichen Ausprägungen (Quelle: New York Times). Diese greifen meist, sobald eine bestimmte Transaktions- oder Umsatzschwelle überschritten wird. In den meisten Fällen richten sich diese Schwellen nach der Geschäftstätigkeit in den vorangegangenen zwölf Monaten. Die genauen Vorgaben und steuerlichen Meldefristen variieren jedoch von Bundesstaat zu Bundesstaat.

US states with nexus laws Diese Abbildung zeigt, in welchen US-Bundesstaaten Economic-Nexus-Gesetze gelten.

In den meisten US-Bundesstaaten greifen die Economic-Nexus-Vorschriften ab einem Umsatz von 100.000 USD oder 200 Geschäftsvorgängen innerhalb von zwölf Monaten. Es gibt jedoch auch Ausnahmen; so liegt die Schwelle in Texas und Kalifornien bei 500.000 USD.

Überschreitet ein Unternehmen in einer Steuerjurisdiktion den Nexus-Schwellenwert, muss es sich auf der Internetseite der im jeweiligen Bundesstaat für die Verkaufssteuer zuständigen Finanzbehörde anmelden. Solange diese Anmeldung für das betreffende Steuergebiet nicht vorliegt, dürfen Unternehmen auch keine Steuern einziehen. Außerdem gelten in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedliche Registrierungsanforderungen. So müssen sich in Texas Unternehmen aus anderen Bundesstaaten am ersten Tag des vierten Monats nach Überschreiten des Economic-Nexus-Schwellenwerts registrieren. In Rhode Island haben Unternehmen dagegen bis zum 1. Januar des auf die Überschreitung des Schwellenwerts für den steuerlichen Anknüpfungspunkt folgenden Jahres Zeit, um sich anzumelden und Verkaufssteuern einzutreiben und abzuführen.

Die Vorschriften richten sich ferner danach, ob Unternehmen physische Güter, digitale Produkte oder SaaS-Produkte (Software as a Service) verkaufen. Digitale Produkte – wie E-Books, Onlinekurse, Musikdateien und Website-Mitgliedschaften – sind dabei besonders kompliziert. Zudem sind sie keineswegs in allen Bundesstaaten überhaupt steuerpflichtig. In Steuerjurisdiktionen, in denen sie nicht besteuert werden, werden andere Definitionen des Begriffs „digitales Produkt“ zugrunde gelegt.

Staaten mit digitaler Steuer

Wenngleich SaaS-Produkte zu den Digitalprodukten zählen, gelten für sie oft Sonderbestimmungen, da nicht immer ein Download erforderlich ist. So sind SaaS-Produkte beispielsweise in Connecticut zu 100 % steuerpflichtig, während sie in Kalifornien von der Steuer befreit sind. Und in Texas werden SaaS-Produkte mit 80 % des Verkaufspreises besteuert, wohingegen Software-Downloads in voller Höhe steuerpflichtig sind.

2. Ermitteln des Steuergebiets und des Steuersatzes

In den USA gibt es über 11.000 Steuerjurisdiktionen mit jeweils eigenen Vorschriften. Allein im Bundesstaat Alabama gibt es über 900 Steuergebiete; in Texas sogar mehr als 1900. Doch leider sind auch Bundesstaaten mit einer geringeren Anzahl an Steuerjurisdiktionen nicht wesentlich unkomplizierter, da teils beträchtliche Unterschiede hinsichtlich Verwaltungsabläufen und Steuervollzug bestehen. Deshalb gilt es, jede einzelne Steuerjurisdiktion einzeln zu betrachten, um sämtlichen Steuervorschriften nachzukommen.

Die Steuersätze richten sich nach Verkaufsgegenstand und Bestimmungsort und sind ständigen Änderungen unterworfen. So dürften allein in den USA im Jahr 2021 über 600 Steuersatzänderungen verabschiedet werden. Im Bundesstaat Virginia sollen beispielsweise bestimmte Waffenschränke von der Verkaufssteuer befreit werden, während in Chicago der Verkauf von Wein und Tafelwasser über das Internet steuerpflichtig werden soll.

24 US-Bundesstaaten beteiligen sich am Streamlined Sales and Use Tax Agreement (SSUTA), das Unternehmen die Bewältigung ihrer grenzüberschreitenden Steuerpflichten erleichtern soll. Doch da viele Bundesstaaten das Abkommen nicht unterzeichnet haben, gibt es auch weiterhin kein einheitliches Steuersystem in allen US-Bundesstaaten. Man muss die Vorgaben der einzelnen Bundesstaaten also auch in Zukunft genau im Blick behalten.

3. Steuererklärung und -abführung

Auf der Internetseite der im betreffenden Bundesstaat für die Verkaufssteuer zuständigen Behörde finden Sie Informationen zum Verfahren und insbesondere zu den für Ihre Steuererklärung geltenden Fristen. Diese unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Und auch die Frage, wie oft Sie Steuererklärungen abgeben müssen, schwankt je nach Standort und Steuerverbindlichkeit.

Von Stripe Tax unterstützte Steuerjurisdiktionen

So erfolgt die Verkaufssteuererklärung in Tennessee einmal pro Jahr, sofern Ihre Steuerschuld nicht mehr als 200 USD beträgt. Liegt sie darüber, müssen Sie dagegen monatliche Steuererklärungen bis zum 20. des jeweiligen Folgemonats einreichen. Dann müssen Sie beispielsweise Ihre Steuererklärung für Januar bis spätestens 20. Februar abgeben. Im New York ermittelt wiederum das zuständige Department of Taxation and Finance die Einreichungshäufigkeit (monatlich, quartalsweise oder jährlich) für alle Unternehmen, die im in diesem Bundesstaat Verkäufe tätigen und orientiert sich dabei am Umsatzvolumen.

So kann Stripe Sie unterstützen

Stripe Tax vereinfacht Ihre Steuer-Compliance, damit Sie sich ganz auf Ihr Unternehmenswachstum konzentrieren können. Denn Stripe Tax berechnet und erhebt automatisch die auf physische und digitale Produkte und Dienstleistungen anfallende Verkaufssteuer, MwSt. und GST – und zwar in sämtlichen US-Bundesstaaten und über 30 Ländern. Stripe Tax ist nativ in Stripe integriert und erleichtert Ihnen so den Start. Sie müssen keinerlei Drittanbieterprodukte oder Plugins integrieren.

Und dabei unterstützt Sie Stripe Tax:

  • **Ermittlung steuerlicher Melde- und Erhebungspflichten: Anhand Ihrer Stripe-Transaktionen wird ermittelt, wo Sie zur Steuerabfuhr verpflichtet sind; weitere Bundesstaaten und Länder können Sie ganz unkompliziert hinzufügen. Dazu müssen Sie Ihre bestehende Stripe-Integration lediglich um eine Codezeile ergänzen. Alternativ können Sie die No-Code-Produkte von Stripe – wie etwa Invoicing – mit nur einem Klick um Steuerfunktionen erweitern.
  • **Automatischer Steuereinzug: Stripe Tax berechnet und erhebt automatisch den korrekten Steuerbetrag – ganz gleich, welches Produkt Sie anbieten und wo Sie tätig sind. Stripe Tax unterstützt unzählige Produkte und Dienstleistungen und sucht ständig nach neuen Steuervorschriften und Steuersätzen.
  • **Vereinfachte Steuererklärung und -abführung: Stripe erstellt detaillierte Bilanz- und Steuerübersichten zu sämtlichen Standorten. So können Sie Steuern in Rücksprache mit Ihrem Steuerberater oder den bevorzugten Stripe-Partnern eigenständig anmelden und abführen.

Weitere Informationen zu Stripe Tax finden Sie hier.

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